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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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III. Oberflächengestalt.

standen auf den Anhöhen. Der Theebaum, die Zaserriude, die hülsenfrüchtige Eisenrinde und UnAonia. hätten der Größe nach zu Bauholz verwendet werden können. Die ganze Gegend war fast durchgängig schön begrast." An anderen Stellen freilich, wie in den wasserlosen Distrikten, tritt der nackte weiße Sand, nur mit Spinifex bestanden, zwischen dein Snake- und Katherine- Fluß auf, und zwischen den: Victoria-Fluß und dem Überlandtelegrapheu führen sogar die gras- reichen Ebenen, wenigstens in der Trockenzeit, kein einziges Wasserloch, so daß die Expedition A. Forrest's1879 beinahe an diesen: Mangel an Wasser selbst auf gutem Graslande zu Grunde gegangen wäre; trockene Creeks durchziehen es, Akazien und Eukalypten bilden die Baumvege­tation, Känguruhs und Trapper: das Wild. Dieses Tafelland bewässern zum Teil schiffbare Ströme, wie der Victoria, der Daly, dessen Oberlauf Katherine genannt wird, der Alligator und in: Osten endlich der Roper.

Der Roper-Fluß ist nach Leichhardtein großer Süßwasserfluß von 500800 Schritt Breite. Die Ufer desselben waren nicht sehr hoch und dicht mit Salzwasser-HidisenL, einer kleinen baumartigen Nubiacee, welche die Lust mit den: Wohlgeruche ihrer Blüten ähnlich den: des Jasmins erfüllte, ferner mit IllaAellaviu, Wasser-Uauänun8 und einer hülsenfrüchtige:: Schling­pflanze mit Trauben großer grüner Blüten umgeben. Das Wasser war etwas trübe, zur Flut­zeit stieg es volle 3 Fuß. Die Gegend längs seines linken Ufers war schön begrast und offen mit Buchsbaun: bestanden; auf der entgegengesetzte:: Seite erhoben sich Hügel."

Alle diese Flüsse strömen von der Wurzel der Halbinsel Nordanstralien aus uach allen Seiten hin ins Meer, nur nicht nach Süden hin, denn hier beginnt unmittelbar südlich vor ihnen die große australische Wüste.

U. Das Innere, die Wüstengebiete.

Das ganze Innere Australiens, der östliche Teil des Tafellandes, ist ein ödes, viel­fach wüstenhaftes Land, in den: man nur einzelne Oasen, Grasplätze und Wasserläufe hat ent­decken können. Der schlimmste Teil der Wüste ist der Westen, zwischen den: 120. und 130. Me­ridian; mit der Annäherung an die Telegraphenlinie, die ungefähr den: 134. Meridian folgt, wird das Land etwas frischer. Der sandig-thonige Boden von roter Farbe ist der bereits erwähnte Wüstensandstein, bedeckt mit Dickichten und Gebüschen von Stachelpflanzen, Eukalypten und Akazien, dem sogenannten Scrub (s. Abbildung, S. 55); fast gänzlicher Mangel an Quellen, Regengüssen, fließenden: Wasser und Grasland erschwert die Überschreitung dieser Wüste des Inneren außerordentlich. Zwar setzt sich in den Thälern der größeren Flüsse, z. B. des oberen Ashburton, grünende Vegetation selbst dann noch fort, wenn kein Wasser mehr in: Flußbett anzutreffen ist, einheimische Pappeln und Pfirsichbäume, Sandelholzstämme und Orangen, meist in verkrüppelten: Zustande, ziehen sich den: Thale entlang, Gummibäume treten hier und da auf, und, wo Wasser ist, stehen frische Theebäume (Nsluleuea). Je weiter man aber in die Wüste eindringt, desto mehr nimmt die Vegetation ab, die Flußläufe schrumpfen zu kleinen Fäden zu­sammen, die Bäume verschwinden, an ihre Stelle tritt der Scrub, das stachlige Gebüsch, das nun weithin das Land überzieht, und trockenes, kahles Felsland, endlose öde Berg- und Hügel­reihen erscheinen auf der wasserlosen Fläche. Hier und da findet sich wohl noch ein Becken mit ausdauernden: Wasser und Fischen, schließlich bleibt aber nur noch die Wüste übrig, weithin dehnen sich die Spinifexflächen, zahlreiche rote Sandhügel treten auf und bilden öde Dünenreihen, namentlich in: Westen der Telegraphenlinie, denn auch die australische Wüste hat ihr Dünen- gebiet, gerade wie die Sahara. Auf den Gipfeln der Hügel wachsen hier und da Gunnni- bünine, dazwischen trifft man in den Niederungen auf einheimische Pfirsichbäume, Quaudongs,