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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Das Tafelland des Westens.

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ganz so spärlich wie jene des Wüstensandsteins; im Frühling erreicht der Blumenschmuck sogar eine gewisse Fülle. Dem gegenüber ist der Wüstensandstein, ein Gestein von unbekanntem Alter, wahrscheinlich ein Absatz eines großen Binnenbeckens, von ganz abschreckender Öde. Nach Ten- nison Woods sollen drei Arten von Wüstensandstein vorkommen: magnesitische Ablagerungen von weißer, roter, gelber Farbe, anscheinend zersetzte vulkanische Asche; dann vor allem weiße, gelbe, rote Sandsteine und endlich fluviatile Konglomerate in der Nähe der heutigen Flußrinnen. Dieser Wüstensand stein tritt jetzt im ganzen tropischen Australien, vor allem also in: Norden des Konti­nents in Form von Plattenresten auf, die einer größeren zerstückelten Tafel angehört zu haben scheinen und sein Gebiet unfruchtbar lind sehr schwer zugänglich machen.

Die Eruptivgesteine sind besonders in einer 240320 Irin weit von der Küste entfernten Zone häufig, wo sie in Form einzelner Berge aus der Ebene hervorragen, es sind Granite, Diorite und im Nordwesten Mandelsteine. Man unterscheidet jetzt zwei Granitzonen, die durch einen gold­führenden Streifen metamorphischer Gesteine getrennt werden. Jüngere vulkanische Gesteine sind nur von Kap Veausort und Bunbury, wo Säulenbasalt ansteht, von dein Nordwest-Distrikt, wo sie das paläozoische Tafelland durchbrechen, und von dem Antrimplateau in Kimberley bekannt.

Die Westaustralien zusammensetzenden Formationen bauen sich in der Weise auf, daß auf die quartäre und tertiäre Küstenzone von: Nordwestkap bis zum Greenough-Fluß ein mesozoischer Streifen, der meist aus Kalkstein besteht, als vielfach zerschnittenes Tafelland folgt. Landein­wärts zieht die 30 km breite paläozoische Zone am Irwin-Fluß in 80 km, am Gascoyne-Fluß in 140 km Entfernung von der Küste entlang und bildet nördlich davon die vielfach zerschnittenen Tafelländer des Henry-Ashburton- und Fortescue-Gebietes, deren Lagerung nahezu horizontal ist. Endlich tritt innerhalb dieser Randzonen und namentlich weiter im Innern das archäische Schiefergebirge mit zahlreichen Granitstöcken aus den Ebenen empor, meist in Form reihen­weise angeordneter Hügel, Kuppen, Berge, die ganze Ketten, die sogenanntenRanges", bilden und Gold enthalten.

Die wichtigsten Metalllager sind die großer: Goldfelder, und zwar von Süden nach Norden gerechnet, folgende: das Feld der Dundas-Hügel im Nordei: der Esperancebai, das Mgarn-Goldfeld (1887) 300 kni östlich von Perth, die überaus reichen Coolgardiefelder nord­westlich des Lefroy-Sees, das 1890 aufgefundene Goldriff an den Nangrangbergen 8 km östlich von Aewin an: oberen Greenough, die Murchison-Felder und das 1888 entdeckte Gold­riff am Mulga Mulga zwischen den: Austin-See und der Weldkette, die 1890 erschlossenen Lager an: Ashburton-Fluß mit fast reinem Gold, das Pilbarrariff (1888) an: Aulefluß und die Nulla- ginefelder an: De Grey-Fluß, beide in: Nordwestdistrikt, und endlich die Kimberley-Goldfelder (1884) um Hall's Creek. Außerdem trete,: Blei und Kupfererze in: Northamptondistrikt auf, werden aber so gut wie nicht mehr abgebaut; Eisen ist häufig, Zinn wurde in: Greenbush-Feld in der Grafschaft Nelson 1888 aufgefunden und lignitartige, wahrscheinlich altmesozoische Kohlen 1889 am Collie-Fluß in der Grafschaft Wellington entdeckt. Alle diese zuletzt aufgeführten Bodenschätze werden noch nicht systematisch ausgebeutet; die Goldfelder dagegen sind zum Teil in Angriff genommen, leiden aber an Wassermangel.

Die westlichen und nördlichen Nandlandschaftcn.

Man teilt Westaustralien seiner Oberflüchenbeschaffenheit nach au: besten in zwei Teile, einen südlichen und einen nördlichen. Die Grenzlinie zwischen beiden, der Murchison-Fluß, kommt der Südgrenze der regelmäßigen Regenfälle nahe, die in ungefähr 25,50 südl. Breite liegt. Dieser Umstand deutet bereits darauf hin, daß der Norden gegen den Süden klimatisch und wirtschaftlich

Länderkunde, Australien und Ozeanien. ^