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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
Entstehung
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Stuart. Forrest. Neuere Reisen in Australien.

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nicht wieder geschehen war. 1871 drang dann Alexander Forrest über den Lefroy-See im Südwesten bis zum 124. Meridian vor, und 1874 wagte sich John Forrest an die schwierige Auf­gabe, voll der Westküste aus die Telegraphenlinie zu erreichen. Mit seinem Bruder Alexander und vier anderen Begleitern sowie zwanzig Pferden brach er im April 1874 von der Champion- Bai auf, folgte dem Mnrchison-Flusse und zog dann südlich des 25. Breitengrades irr fast rein östlicher Richtung zum Telegraphen, den er bei der Peake-Station unter 28° südl. Breite erreichte. Nach dieser Reise, die sechs Monate in Allspruch genommen hatte und die Öde und Trostlosig­keit der inneren Landschaften wiederum bestätigt hatte, kehrte er über Adelaide nach Westanstralien zurück. DieseReise war die ersteDurchquerung des Westens in der Richtung von Westen nach Osten.

Dell beiden Durchkreuzungen der westlichen Wüsten durch Warburton und die Gebrüder Forrest fügte Giles noch zwei andere hinzu. Im Jahre 1875 brach er vorn Torrens-See nach Westen auf und gelangte, immer im Süden der Rollte der Gebrüder Forrest, durch die be­sonders öde Wüste an der Grenze von Süd- und Westanstralien nach dem Moore-See und Perth. Im folgenden Jahre kehrte er, in der Hoffnung, besseres Land zu finden, vom oberen Ashbnrton- Flnß immer nördlich von der Rollte der Brüder Forrest, aber südlich des Wendekreises, nach der Telegraphenstation Alice Springs zurück.

D. Neuere Reisen in Australien und Ozeanien.

Nach der mehrmaligen Durchkreuzung des Inneren Australiens in der Richtung voll Westen nach Osten sowohl wie voll Süden nach Norden handelte es sich nur noch um die genauere Er­kundung der zwischen diesen Routen gelegenen Teile des Landes. Voll Osten und Süden rück­ten die Hirten und Ansiedler mehr und mehr nach dem Inneren vor und nahmen immer neue unerkundete Landstrecken in Allspruch. Die Aufsuchung guter Weidegründe blieb nach wie vor der bedeutendste Sporn zur Entdeckung neuen Landes, allein die Hoffnungen waren in West- australien in dieser Beziehung bereits sehr herabgestimmt, und die Allssicht auf Auffindung größe­rer Strecken zur Weide tauglichen Landes schwand immer mehr.

Einen der wenigst bekannten Teile Australiens, den Nordwesten, untersuchte im Jahre 1879 Alexander Forrest auf einer größeren Expedition und fand hier ungewöhnlich günstige Ver­hältnisse. Voll der Nichol-Bai bis zur Beagle-Bai zog der Reisende nahe der Küste, erreichte auf diese Weise den Königs-Sund und verfolgte hier einen großen, für Dampfer 160 1cm weit schiff­baren Strom, deil Fitzroy, an dessen Ufern nicht nur für Viehzucht, sondern auch für Ackerbau günstiger Boden vorhanden ist. Auch weiter nordöstlich, in der Umgebung des Victoria-Flusses erwies sich das Land als brauchbar, so daß dieser gesamte Distrikt bald mit Ansiedlern besetzt wurde. Voln Victoria-Fluß all aber trat wieder der wasserlose öde Wüstentypus ein, so daß Forrest nur mühsam die Telegraphenlinie erreichte.

Eill ähnlich günstiges Resultat ergaben die Untersuchungen, die im selben Jahre 1879 Winnecke und Barclay im Nordosten von Alice Springs anstellten. Da ferner auch voll Queensland aus Reisen nach der Telegraphenlinie, z. B. die voll Boyd 1880, erfolgten, so wurde das Land auch östlich von ihr bald bekannter.

Von der Fowler-Vai in Südaustralien wurden 1875 Tietkens und Poung ausgesandt, um die Gebiete bis zur Musgrave-Kette zu untersuchen, doch fand sich hier fast nur ödestes Wüsten- land, so daß es nicht gelang, bis zu diesem Hügelzuge vorzudringen. Zu ähnlicheil Ergebnissen kamen andere Expeditionen; im ganzen aber verminderte sich das unbekannte Land rasch, und die Kultur überzog Gebiete, die vor kurzem noch gar nicht bekannt gewesen waren. Hierher gehörte der Kimberley-Distrikt im Nordwesten, wo außer den fetten Weiden auch noch 1885 durch Hard-