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I. Entdeckungsgeschichte.
2. Die Periode des Stillstandes der Entdeckungen: 1644—1764.
Während der langet: Zeit von 1644—1764 blieben die ozeanischen Länder von allen seefahrende:: Nationen fast völlig vernachlässigt, so daß in diesen: ganzen Zeitraum nur zwei Fahrte:: von Wichtigkeit, eine englische und eine holländische, unternommen wurden, die bereits den Übergang der Entdeckungsthätigkeit von Holland auf England kundthun.
Schon an: Ende des 17. Jahrhunderts nistete die britische Regierung die erste Entdeckungsfahrt zu rein wissenschaftlichen Zwecken aus und bezeichnete damit einen Fortschritt in der Geschichte der Menschheit, der in den: folgenden Jahrhundert reiche Früchte tragen sollte. William Dampier, der die Südsee in den Jahren 1679—91 als Freibeuter kennen gelernt hatte, wurde 1699 mit einen: Kriegsschiff ausgesandt, um die Zweifel über die Erstreckung Australiens nach Osten zu heben. Über Brasilien und südlich von Afrika fahrend, erreichte er die Westküste von Australien, fand aber hier nur dieDampier-Jnsel und denHaien-Sund und begab sich darauf nach der Nordseite Neuguineas. Hier machte er seine bedeutendsten Entdeckungen, indem er, durch die Dampier-Straße fahrend, Neubritannien (Neupommern) als selbständige Insel neben Neuguinea erkannte und eine Reihe kleiner Vulkaninseln auffand; dagegen gelang es ihn: nicht, die Trennung Neubritanniens von Neu-Jrland (Neumecklenburg) aufzufinden, obwohl er in der beide scheidenden Straße, dem St. Georg-Kanal, ankerte; über Sera:: (Ceram) kehrte er dann nach Westen zurück, so daß er die Ostseite Australiens überhaupt nicht berührt hat. Kurz nach Dampier, im Jahre 1705, fand das holländische Schiff Geelvink die nach ihn: benannte, tief einschneidende Geelvink-Bai im Norden Neuguineas.
Während Dainpiers Erfolge zu seiner seemännischen Vergangenheit und der ihm gestellten Aufgabe nicht im Verhältnis stehen, ist der zweite hier zu erwähnende Seemann, der Holländer Jacob Roggeveen, lange Zeit unterschätzt worden. Roggeveen führte nicht nur in den Jahren 1721 und 1722 eine vollständige Erdumsegelung aus, sondern gehörte auch zu jenen Schifffahrern, die das für die damalige Zeit kühne Unternehmen der Durchkreuzung des Großen Ozeans in höheren südlichen Breiten wagte. Von Texel aus durchquerte er den Atlantischen Ozean, besuchte die Falklandinseln, umschiffte das Kap Hoorne, erreichte Juan Fernandez, suchte lange nach dem apokryphen Davis-Land, das Edward Davis1687 unter 270 2tN südl.Breite im Großen Ozean gesehen haben wollte, und fand statt dessen die wohl von Davis zu einem großen Südlande aufgebauschte kleine Osterinsel. Von hier aus besuchte er die nördlichen Paumotu, und wollte sich nun nach Neuseeland wenden; doch war die Scheu der damaligen Seeleute, in unbekannte Regionen zu steuern, noch so groß, daß er von diesem Vorhaben abstehen mußte. Statt dessen entdeckte er die Samoa-Jnseln und erreichte von hier aus Neuguinea, von wo er nach Westen weiterfuhr.
Diese Reisen haben also nur die Entdeckung der Samoa-Gruppe, der Osterinsel, der Dam- pier-Jnsel, der kleinen Inseln nördlich von Neuguinea und die Vervollständigung der Kenntnis der von Dampier Neubritannien genannten Insel des Bismarck-Archipels sowie der Paumotu gebracht, für einen Zeitraum von 120 Jahren ein recht geringes Ergebnis.
3. Die zweite Periode der großen Entdeckungen: 1764—1779.
Wie in Portugal die Periode der großen Entdeckungen innig an königliche und prinzliche Namen geknüpft ist, so bricht auch in England eine Glanzzeit der Entdeckungsgeschichte mit dem Aufschwünge an, den ihr ein König gab: Georg IH. Von nun an ist in: großer: ganzen