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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Übersicht des Verlaufs der Entdeckungen. Erste Periode. 1521 1644 .

Man kann vier Perioden in der Geschichte der Entdeckung unserer Länderräume unterscheiden:

1) Die erste Periode der großen Entdeckungen: 15211644.

2) Die Periode des Stillstandes der Entdeckungen: 16441764.

3) Die zweite Periode der großen Entdeckungen: 176479.

4) Die Periode der Einzelforschung und des Ausbaues der Geographie Ozeaniens: seit 1779.

1. Die erste Periode der großen Entdeckungen: 1521 1644 .

Wer die Geschichte der Entdeckung der Malayischen Inseln kennt, wird annehmen, daß die Auffindung der australischen Inselwelt und auch des Festlandes von den südostasiatischen Inseln aus im Verfolg der Erforschungszüge der Portugiesen erfolgt sei. Den: ist aber anscheinend nicht so; wenigstens haben wir keine sicheren Nachrichten über derartige Fahrten und Entdeckungen, die etwa seit dem Jahre 1512, als die Portugiesen unter Antonio d'Abreu und Francisco Serrao die Molukken entdeckten, zu erwarten gewesen wären.

Die erste Entdeckung in der Inselwelt Ozeaniens, von der wir wissen, wurde nicht von Westen, sondern von Osten, nicht in der Nähe der Molukken, sondern an: östlichen Ende Poly­nesiens, nicht durch die Portugiesen, sondern durch die rührigeren Spanier, freilich unter der Führung des Portugiesen Fernäo de Magalhäes, gemacht.

Magalhäes traf auf seiner Fahrt von der Südwestküste Südamerikas nach Westnordwesten am 25. Januar 1521 ein unbewohntes Atoll unter 16015^ südl. Breite und an: 4. Februar ein zweites unter 11 o 45^ südl. Breite an, denen er die Namen Sän Pablo und de los Tibu- rones gab, Inseln, die im äußersten Norden der Paumotu- und in: Süden der Marquesas­gruppen gesucht werden. Merkwürdigerweise berührte nun Magalhäes, trotzdem sein Kurs jeden­falls durch den Schwärn: der Gilbert- und Marshall-Jnseln geführt haben muß, keine einzige Insel Polynesiens oder Mikronesiens, bis er an: 6. März 1521 vor Guam, der südlichsten und größten Insel der Ladronen oder Marionen, anlangte; von da aus fuhr er westwärts nach den Philippinen weiter. Ganz ebenso erblickte Garcia de Loaysa auf seiner Fahrt von der Ma- galhäes-Straße nach den Ladronen 1526 nur die kleine Bartolome-Jnsel unter 14" l/ nördl. Breite. Dagegen scheint der Portugiese Diego de Rocha das Verdienst mit Recht zu bean­spruchen, schon 1525 die westliche Karolineninsel Lamoliork oder Ngoli, die später (1543) vor: Villalobos Matelotas genannt wurde, entdeckt zu haben.

In: Jahre 1526 erfolgte dann, allerdings unfreiwilligerweise, eine größere Erweiterung der Kenntnis der Portugiesen über die Molukken hinaus, indem Jörge de Meneses auf der Fahrt von Malakka um Nordborneo herum nach Ternate durch den Nordwestmonsnn an die Nord­küste von Neuguinea verschlagen wurde, wo er bis zum Mai 1527 verblieb. In der Folgezeit wurde Neuguinea häufiger gesehen, so z. B. in: Juni 1528 von Älvaro de Saavedra. Es hatte sich nämlich zwischen den Philippinen und Mexiko ein zunächst einseitiger Verkehr entsponnen, indem nacheinander eine Reihe von spanischen Schiffen von Acapulco über die als Stützpunkt geltenden Ladronen nach den Philippinen fuhren, während sie bis 1565 den Rückweg wegen des entgegenstehenden Nordostpassats nicht zu fiuden vermochten. Diesen Versuchen, gegen den Nordostpassat nach Mexiko zu gelangen, verdanken wir die nochmalige Aufsuchung der Nordküste von Neuguinea in: Juni 1528 durch Saavedra und die Entdeckung der östlichen Karolinen in: September 1529 sowie der Marshall-Gruppe am 1. Oktober desselben Jahres, ebenfalls durch Saavedra aus einer zweiten Reise, die jedoch wieder::::: nach den Ladronen zurückführte. In: Jahre 1542 erfolgte ferner ein erneuter Besuch der Karolinen, diesmal der westlichen, und die Entdeckung der Palau-Inseln auf der Reise von Mexiko nach den Philippinen durch Nuy