Druckschrift 
Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
Entstehung
Seite
456
Einzelbild herunterladen
 

456

Deutsch-Südwestafrika.

eines baierischen Braumeisters geschmückt. Es schlotterte förmlich um die Beine herum und der Träger hatte, um die ihm von Natur versagte Rundung herzustellen, ersterer durch die Kunst unter die Arme gegriffen, d. h. er hatte sich einen dicken wollenen Shawl um den Leib gewickelt. Zum Schluß baumelte noch ein großes rotbuntes Taschentuch aus einer der Rocktaschen hervor, und man wird mir wohl beistimmen, daß bei einem solchen Anblicke das Ernstbleiben keine leichte Sache war. Die Predigt wurde in holländischer Sprache gehalten und von dem Dolmetscher Wort für Wort ins Nama über­setzt. Nach dem Gottesdienste war noch eine Taufe, doch habe ich darüber nichts Besonderes mitzuteilen. Bemerken will ich noch, daß während des Dienstes ein alter Mann fortwährend auf und ab ging und jeden oder jede, der sich hatte verleiten lassen, Gott Morpheus stille Opfer darzubringen, durch eine gehörige Ohrfeige zur Wirklichkeit zurückrief, und ich kann nicht unterlassen, ihn seiner Ausdauer wegen zu loben, denn er hatte harte Arbeit. Montag wohnten wir einer Trauung bei, welche ganz nach christlichem Gebrauch von statten ging; nach­her nahmen wir auch an dem Hochzeitsmahle teil, welches allerdings von einem europäischen etwas abwich. Die Gäste waren bereits alle in einem aus Zweigen hergestellten Pavillon versammelt, nur der König, die Großwürdenträger und wir hockten in einem Matten- hause nieder und nun ging eine Esserei los, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Jeder mit dem mitgebrachten Taschenmesser und den Fingern. Bei dieser einen Mahlzeit wurden von ca. 40 Gästen 2 Ochsen, 4 Schafe, ganze Berge von Fettkuchen und eine ungeheure Menge von Kaffee verzehrt, für europäische Begriffe doch kaum glaublich, und Essen ist auch das einzige, worin der Hottentotte etwas leisten kann; ich glaube, daß er an Gefräßigkeit selbst die Hyäne übertrifft.

' III.

Charakteristisches über die Nama-khoi-khoin.

Die heutigen Bewohner des Landes, welche insgemein Hotten­totten genannt werden, lassen sich diesen Namen nicht gefallen. Sie wollen selbst in 4 verschiedene Gruppen geteilt sein: 1) die Sän oder Buschmänner, früher zahlreich, jetzt zerstreut, das Proletariat des Landes; 2) die Huri-Sän und Gowa-Sän, vom Fischfang und der Jagd lebend; 3) die später eingewanderten Naman, Viehzüchter