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Deutsch-Südwestafrika.
haften Körperstellen die fremden Körper hinauszusaugen, welche durch irgend einen Bösewicht hineingezaubert waren. Daß sie, wenn es nur irgend angeht, ihre Hände auch nicht von den geheiligten Rindern der Herero zurückhalten, ist selbstverständlich, wie es natürlich ist, daß die Nomaden, um den Raub zu rächen, die Bergdamara- familien überfallen, die Alten erschlagen und die Kinder als Sklaven mitnehmen. C. G. Büttner.
(Das Hinterland von Walfischbai und Angra Pequena. Heidelberg, 1884.)
II.
Religiöse Vorstellungen. — Ihre merkwürdigen abergläubischen Meinungen und Gebräuche. — Ihre Hütten. — Putz, Gesänge und Musik. — Eigentümlichkeiten der Damarasprache. — Aussprache von k und I,. — Ortssinn und charakteristische Denkweise der Damara.*)
Man kann den Namen „Religion" auf die einfältigen Wahngebilde der Herero nicht anwenden; die Nacht ihres Daseins wird durch keinen Strahl höherer Anschauung erhellt. Beginnen wir mit ihrer Schöpfungsgeschichte, worin ihr verworrenes Denken besonders hervortritt.
„Zu Anfang der Dinge gab es einen Baum (der Baum ist aber irgendwie doppelt, weil einer zu Omaruru und ein anderer zu Omutschamatunda sich befindet), und aus diesem Baume kamen Da- maras, Buschmänner, Ochsen und Zebras. Die Damaras zündeten ein Feuer an, welches die Buschmänner und Ochsen verscheuchte; die Zebras blieben aber zurück. Daher kommt es, daß Buschmänner und wilde Tiere an allen Arten von unzugänglichen Orten zusammenleben, während die Damaras und die Ochsen das Land besitzen. Der Baum gebar alles andere, was da lebt; er ist aber in den letzteren Jahren nicht mehr fruchtbar gewesen. Es nützt nichts, an der Seite des Baumes zu warten, in der Hoffnung, die Ochsen und Schafe zu fangen, die er hervorbringen könnte.
Ferner, ungeachtet, daß alles aus diesem Baume kommt, haben die Menschen auf eine abgesonderte Art einen besonderen Ursprung
*) Nach Francis Gallon. Bericht eines Forschers im tropischen Südafrika. Aus dem Englischen, Leipzig o. O. Neben den neuesten vortrefflichen Schriften von Büttner, Fritsch, Falkenstein u. a. behält Galions Werk einen bedeutenden Wert, weil dieser zuverlässige und scharfe Beobachter zum ersten Mal das Damaraland und dessen Bewohner eingehend schilderte. Galion gab auch durch seine Reise zu den Ovambos den Anstoß zu der Christianisierung dieses intelligenten, fleißigen, ackerbautreibenden Volkes.