Die afrikanischen Sprachen.
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Die afrikanischen Sprachen.
Die Riesenarbeit von Robert Needham Cust über die afrikanischen Sprachen. — Einteilung in sechs große Gruppen. — Segen der Missionen. — Verschiedenartige Abstammung der Negersprachen. — Charakteristisches über einige Negersprachen. — Die Sabir-Sprache als linZua kranea. — Das Kreolische auf der Insel Mauritius. — Formenreichtum und Schönheit afrikanischer Sprachen. — Die merkwürdigen Probleme der Hottentotten-Sprache.
Bisher waren die Sprachforscher vor der Riesenarbeit zurückgeschreckt, das durch eine lange Reihe von Reisenden und Missionaren auf afrikanischem Boden gesammelte linguistische Material wissenschaftlich zu sichten, um endlich einmal eine genaue Übersicht und Klassifizierung aller heutigen afrikanischen Sprachen zu erlangen. Noch 1879 konnte Friedrich Müller (Allgemeine Ethnographie) nur die Unzulänglichkeit der Wissenschaft trotz der ansehnlichen Hilfsmittel gegenüber der „Unzahl der afrikanischen Sprachen und der beinahe unglaublichen Menge von Völkern" konstatieren.
Die Arbeit war um so schwieriger, da das oft kostspielige und seltene Material für die afrikanische Linguistik, die noch keinen Lehr- stuhl an Universitäten besitzt, in keiner öffentlichen Bibliothek vollständig vorhanden ist. Der Forscher war also auf seinen eigenen Sammelsleiß, seine eigenen pekuniären Mittel angewiesen, es mußte ein Mann sein, der, wie Cust selbst iu der Vorrede sagt, genügend freie Zeit, Geld, Fleiß und Intelligenz besaß, um durch Sammlung und Klassifizierung des ungeheuren Materials „den künftigen Sprachforschern eine solide und gesunde Basis zu verschaffen, von wo aus sie mit Sicherheit weiterschreiten können." Das Werk ist nicht bloß für Sprachforscher, sondern auch für Missionare von höchster Bedeutung. Erwägt man, daß Cust 438 unterschiedene Sprachen und außerdem noch 153 Dialekte bearbeitet hat und daß wohl vier Fünftel des Materials aus den von Missionaren geschriebenen, zum teil noch nicht veröffentlichten*) Wörtersammlungen, Grammatiken, einheimischen Fabeln und Geschichten, Übersetzungen von Liedern und heiligen Schriften, Schulbüchern, Gebetbüchern und Katechismen besteht, wie sie von der Mission für die Mission ausgearbeitet werden,
*) In den Archiven der Missionsgesellschaften, in Sir George Grey's Bibliothek in Capstadt ist noch der größere, wertvollere Teil vergraben.