Druckschrift 
Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
Entstehung
Seite
394
Einzelbild herunterladen
 

394

Central-Afrika und die Negerbevölkerung.

Die KulturliMigung der Utgrr.

Vom Herausgeber.

!

In dem letzten Jahrzehnt ist die Negerbevölkerung Afrikas von ! zahlreichen Forschungsreisenden und Missionaren so eingehend studiert worden, daß das höchst ungünstige Urteil mancher Ethnographen > sich wesentlich geändert hat; namentlich wird keiner mehr alle Neger­völker über einen Kamm scheeren und allgemeine absprechende Mei- I nungen wie die Franklin's:Der Neger ist ein Tier, welches mög- lichst viel ißt und möglichst wenig arbeitet," unterschreiben wollen. j Als Carus 1849 die bis dahin angestellten Studien zusammenfaßte*), - kam er zu dem Ergebnis:Der typische Kopfbau des Negers zeigt j. ein weniger entwickeltes Vorderhaupt, aber ein ausgebildetes Mittel- Haupt bei einem gewöhnlich sehr stark ausgebauten Hinterhaupt. !

Zieht man die Lehren von der Grundbedeutung dieser Kopfgegenden ^

zu Rate, so erhält man den Begriff eines Seelenlebens mit niederer Befähigung zu hoher Intelligenz, aber bei viel Gemütlichkeit mit starkem Begehren und kräftigem Wollen. Die Möglichkeit zu einem wenn auch etwas materiellen, aber doch immer echt mensch- ! lichem Lebensglück." Bekanntlich ist die Negerrepublik Liberia, die der Geograph Ritter 1853 als einenLichtpunkt" bezeichnete, zum größten Teile in die alte afrikanische Barbarei zurückgefallen; i

doch zeigen sich auch hier unter allen Mißständen Anfänge einer !

bessern Gesittung und eines Rechtsbewußtseins, welches diese Neger, im Laufe eines dazu jedenfalls nötigen längeren Zeitraumes, der europäischen Kulturstufe näher zu bringen verspricht.

Zu den Negern, die sich durch Talente und Kenntnisse oder durch literarische Leistungen ausgezeichnet haben, gehören noch der Negerbischos vo. Crowther, die Naturforscher Ferguson und Lead- betters, der Autodidakt Ellis, ein Schmied aus Alabama, der Latein, Griechisch und Hebräisch gelernt hatte. Bekannt ist der Schauspieler Jra Aldridge. Die Civilisationsfähigkeit der Neger ist nach den Stämmen derselben äußerst verschieden. Rohlfs stellt z. B. die Neger von Lagos sehr hoch: er fand dort eine schwarze Salondame, welche die schwierigsten Stücke von Beethoven und Mozart meister-

*) C. G. Carus, Über die ungleiche Befähigung der verschiedenen « Menschheitsstämmen für höhere geistige Entwickelung. Leipzig 1849. H