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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
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360 Deutsch-Äquatorial-Afrika.

Keule. Am linken Oberarm trägt jeder Mann an einer Schlinge ein großes Messer in einer Holz- oder Hautscheide; die Frauen tragen an derselben Stelle eine Tabakspfeife. Die Adiyas sind ein großer, stark und kräftig gebauter Volksstamm von tief-dunkelbrauner Farbe, leider aber, besonders bei Frauen, häßlichen Gesichtszügen. Ihr Wesen ist sanftmütig und ruhig, und im wohlthuendsten Gegensatz zu dem Schreien und Lärmen aller anderen Neger hört man von ihnen, selbst beim Handel mit den Europäern, kaum einen heftigen Wortwechsel.

Hermann Soyaux.*)

Am Keim. ,

Reisebilder von Gerhard Rohlss.

Wir verließen nachts um 10 Uhr die Stadt Udeni, wo der Fetischdienst von den Negern am ausgeprägtesten betrieben wird. An demselben Tage noch, als ich nachmittags Abschiedsaudienz beim Sultan hatte, konnte ich mich davon überzeugen, welche eigentüm­lichen Opfer diese Stämme ihren Götzen darbringen. War es ein wirkliches Fest, oder war es, um den Zorn der aus Thon geformten Götter zu versöhnen, weil ein Weißer mehrere Tage in den Mauern der Stadt geweilt hatte, das konnte ich nicht erfahren.

Die Götter sind meist aus Erde, oft auch aus Holz geformt, und bewohnen eigene kleine Hütten. In den Gegenden am Beuue sind es hauptsächlich Dodo und Mussa, denen man allgemeine Ver­ehrung und Anbetung zollt. Es giebt nämlich Götter, die allgemein sind, und Privatfetische; jeder hat z. B. seinen eigenen Hausgötzen, außerdem hat man Stadtgötter, Thorgötter, Feld- und Garteugötter, Flußgötter rc.

Als ich abends mit meinen Leuten die schmale Brücke über­schritt, die uns aus dieser Hexenstadt mit ihren Blutopfern wieder

*) Dieser bedeutende Botaniker, Teilnehmer an den afrikanischen Expedi­tionen von Homeyer und Pogge, dann Direktor der Woermannschen, von ihm selbst angelegten Kaffeeplantagen am Gaboon schrieb außer zahlreichen Aufsätzen in Zeitschriften das für das Studium Afrikas unentbehrliche Werk: Aus West­afrika, 1879. 2 Bde. Er hat handgreiflich die hohe nationale Bedeutung des botanischen Studiums bewiesen. B.