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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
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Bilder von der Goldküste.

ahmung der Gewohnheiten eines höhern Grades von Civilisation no

vorzustellen. Er wird sich ebenso leicht die seltsamen Widersprüche 3st

denken können, auf die er stößt, wenn er die gegenwärtigen Zustände 3äi

des Volkes genau betrachtet; denn er wird in einem afrikanischen m

Hause vergebens jene nette Einrichtung, Behaglichkeit und Anständig- -gi

keit suchen, die in einem wohlbestellten Hause zu finden ist und mit tw

Recht als Zeichen eines richtigen Geschmackes betrachtet wird.

Die Tugend der Gastfreundschaft ist allgemein und so sich ganz zu von selbst zu verstehen, daß jeder von ihnen, wenn auch noch so os

fremd, zu denken scheint, er habe ein Recht, diese Gastfreundschaft tfr>

auf die Probe zu stellen, indem er sein Quartier da aufschlägt, wo an

es ihm gerade dünkt. Bereitwillig wird dem Einsprechenden ein ick

Zimmer gewährt, ohne daß man dafür Bezahlung erwartet, und bei ick

Gelegenheit eines Besuches von Freunden wird der Gast ohne Aus- -Ä

nähme mit Geschenken bewillkommt. Gegen Europäer bezeigen sie sis

sich dergestalt gefällig, daß sie nicht zögern, ihre eigenen Häuser auf sui

eine Zeit lang zu räumen, um sie nur recht anständig zu beherbergen, ,m

und wenn sie sie auch nicht mit einer Mahlzeit versorgen, zu deren ns:

gehöriger Bereitung sie sich das Geschick nicht zutrauen, so bringen Mj

sie ihnen doch Schafe, Geflügel, Aamswurzeln, Pisangfrüchte und Palmwein als Geschenk herbei, auf daß ihre eigenen Diener das Zu Mahl davon bereiten mögen. Der Verfasser hat in der anspruchs- losen Art, mit welcher wahre Gefälligkeiten erwiesen wurden, die 3iü

größte Zartheit beobachtet, und er selbst hat während eines langen mi

Aufenthaltes bei ihnen so viele Beweise ihrer Achtung und Zu- -uj

Neigung empfangen, daß er ihnen für alle Zeit ein liebevolles und 6n

dankbares Andenken bewahren wird.

III.

Ein Fetischhaus auf der Goldküste.

In Pramgram, einer bedeutenden Stadt auf der Goldküste, öst- -

lich von Christiansborg, erhebt sich eine Fetischhütte, wie alle Heilig- -gi

tümer jener Gegend, und wie ursprünglich vor dem Bekanntwerden m<

mit den Europäern vielleicht überhaupt alle Negerhütten, ein runder no

Bau mit Binsengras gedeckt, ohne Fenster, mit niedriger Thür- -ck

öffnung. Im Innern einer solchen Fetischhütte sieht es recht arm- -m

selig aus. Da liegt etwa ein Holzklotz oder ein Stein oder ein Fisch- -K

gerippe, vielleicht auch eine Trommel auf dem Boden oder irgend öir

!