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Die Bevölkerung Marokkos.
Dik Stliölknung Marokkos j 188 tj.
I.
Gährung in der mohammedanischen Welt. — Die Bevölkerung Marokkos. — Die Ruwasah. — Die Landessprachen. — Fanatismus der Marokkaner.
In der ganzen mohammedanischen Welt Nord-Afrikas gährt es, man fühlt das Engerwerden des Ringes, den die abendländische Kultur um den verrotteten Islam legt, der nun feine ganze Kraft zusammenzunehmen scheint, um sich der verhaßten Europäer zu erwehren. In Chartum ist ein fanatischer Prophet entstanden, der alles, was die letzten Decennien mühsam hergestellt haben, vernichten will, und eine ähnliche Rolle zu spielen scheint, wie in den Fünfziger Jahren der berüchtigte Hadschi Omar im westlichen Sudan; dort aber wehrt sich sein Sohn Ahmada, Sultan von Segu, vergeblich gegen die Franzosen, die mit bewundernswerter Energie ihre Militärposten vorschieben und Eisenbahnschienen und Telegraphendrähte bis in die Nähe des Niger schaffen. In Ägypten treten plötzlich einige ehr- und geldsüchtige Aventuriers auf, die den harmlosen und fleißigen Fellahs einreden wollen, sie seien eine große Nation, und Ägypten müsse den Ägyptern gehören, und die frei in der Sahara herumschweifenden Tuarik schlagen die Mitglieder einer großen französischen wissenschaftlichen Expedition tot (Mission Flatters), worin sie neuerdings unterstützt werden von Bu-Amena, Si-Sliman und Genossen, die an der algerisch-marokkanischen Grenze ihr Wesen treiben. Aus Marokko hörte man bisher nichts, und erst vor einigen Tagen kam die den Spaniern jedenfalls hochwillkommene Nachricht, daß einige Rifioten auf ein spanisches Schiff gefeuert haben.
Marokko, oder Maghrib-el-Aksa, das entfernte Abendland (t,Iis tau V/esr), wie es von den Arabern genannt wird, dieser alte Piratenstaat, vor dem die mediterranen Seemächte Jahrhunderte hindurch gezittert haben, und dem noch bis tief in unser Jahrhundert hinein die europäischen Großmächte Tribut zahlten, hat es meisterhaft verstanden, sich sowohl dem abendländischen Einflüsse, als auch der Türkenherrschaft zu entziehen. Noch heute herrscht zu Marokko eine ganze Reihe unnatürlicher Zustände: die Vertreter der fremden Mächte wohnen nicht in der Residenz des Sultans, sondern in Tanger und verkehren durch einen marokkanischen Minister mit der