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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
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Das ^it ei Löb8cti oder Hammelfest.

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guten Teil jüdischer Religion verehrt und darum auch den großen Vatern des alten Testaments seine Anerkennung nicht versagt. Er­klärt doch Mohammed ausdrücklich, daß seine Religion die Abrahams sei, welche den Götzen nicht opfern wollte und daß sie sich stütze auf den Glauben von Jsmael, Jakob, Moses, Hiob, von David, Sa- lomo und der Propheten. Zu den letzteren zählte er Jesum und gestattete in bunter Reihenfolge den Legenden des alten und neuen Testaments Eingang in den Koran. An dem Feste L1 Lebseb sucht auch die ärmste muselmännische Familie ein Gericht von Hammel­fleisch aufzutischen, und verfällt an diesem Tage daher mancher Woll- träger dem Gurgelschnitte. Es hängt dies mit einer zweiten Legende zusammen: Mohammed, der ja selbst unter einem Zeltdache lebte, pflegte auch denHimmel mit einemZelte zu vergleichen, welches mit dün­nen, aber dauerhaften, unsichtbaren Schnüren an die Erdenden befestigt sei. Nur an diesen letzteren vermag die Seele nach dem Tode zum Himmelsraume aufzusteigen. Da der neue Körper, in den sie aber sofort gefahren, noch zu unfertig, gewissermaßen noch nicht erstarkt genug ist, so würde dieser beim Aufsteigen sich leicht an Händen und Füßen verletzen. Er bedient sich deshalb des Schafes, welches dem lieben Herrgott schon seit Abrahams Zeiten angenehm war und welches mit seinen gespaltenen Hufen leichter das Himmelszelt er­klimmen kann, um auf seinem Rücken, ist doch seine Körperlast nicht groß, dem Himmel zuzureiten. Auch seitens der französischen Re­gierung wird dieses Fest in Algier mit 21 Kanonenschüssen des Morgens begrüßt. Ich wurde an demselben zu einem befreundeten, doch unvermählten Mauren zur Diffah, Abendessen, mit ein Paar seiner Glaubensgenossen gebeten und bekam einen delikaten Kuskussuh mit reichlichem Hammelfleisch, sowie später arabisches Gebäck vor­gesetzt, als Getränk Limonade. Als wir nach beendigter Mahlzeit in behaglicher Beschaulichkeit die duftende Nargileh schmauchten, er­griff ein junger Mann die zweisaitige primitive Laute und, sie mit einem Stäbchen schlagend, entlockte er ihr eine sanftsummende Me­lodie, dazu sang er einige Strophen, in welche die andern einfielen.

2. Das Begräbnis eines Marabut.

Die Marabute zählen zu einem priesterlichen Erbadel und zu den einflußreichsten Personen im mohammedanischen Staats- und Gemeindewesen Algeriens. Ihr Rat wird in allen erdenklichen