Eine arabische Schenke. — Die heulenden Derwische.
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sich die nickenden Gipfel der Dattelpalmen an dem dunkeln Nachthimmel ab, während furchtsam flatternde Nachwöge! mitunter die Stille der heiligen Nacht unterbrechen.
Wir haben endlich unser Ziel erreicht, klopfen mit dem eisernen Schlägel an die wohlverschlossene Hausthür, welche schlaftrunken der arabische Pförtner öffnet, um uns einzulassen. Müde legen wir das Haupt auf die Kiffen, um von Kairo und Tausend und eine Nacht zu träumen.
2. Eine arabische Schenke. — Die heulenden Derwische?)
Abends unternahm der Herzog, von einem der Dolmetscher und anderen Herren der Gesellschaft begleitet, einen Ausflug durch die Straßen der Stadt, welche das nächtliche Leben des Ramadhan doppelt phantastisch erscheinen ließ. Man besuchte verschiedene Kaffeehäuser, die mit Laternen und lodernden Herdfeuern die Vorübergehenden zur Einkehr einluden und ein interessantes Bild arabischer Schenken boten. Es sind meist sehr enge, stark verräucherte und nur mit einer Lehmbank und einigen niedrigen, aus Palmenstäben zusammengefügten Sesseln, ein paar großen Wasserkrügen, Kochgeschirr und Tassen ausgestattete Gemächer, deren einziger Schmuck in einem hübsch verzierten Thürbogen oder einem Gitter am Eingang, sowie in einer Anzahl von Nargilehs, d. i. Wasserpfeifen mit Glasurnen und biegsamen roten Röhren besteht, aus denen persischer Tabak geraucht wird, und die der beturbante Wirt seinen Gästen gegen eine kleine Entschädigung für die Füllung vermietet. Die Tassen, durchgehend sehr klein, stehen statt auf Untertassen in Metallgefäßen von der Form und Größe unserer Eierbecher. Die Gesellschaft in diesen Räumen raucht, träumt und meditiert. Einige spielen Domino, andere ein Spiel mit kleinen Metallbechern, die mit der Wölbung nach oben auf einem runden Brette stehen. Der Bankhalter versteckt unter einen dieser Becher einen Ring, schiebt die Becher durcheinander und läßt nun raten, wo sich der Ring befindet. Bisweilen erscheint im Kreise der Turbane und Kaftane ein Märchenerzähler oder ein wandernder Straßensänger, welcher in der Weise der altgriechischen Rhapsoden, bald singend, bald deklamierend, Stücke aus der Geschichte Antars, des „Vaters der Ritter", oder aus dem
. *) Reise des Herzogs Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha nach Ägypten und
den Ländern des Habab. Leipzig, 1864.