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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
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Abessinische Kriegsbilder.

der Festung, ohne etwas zu ahnen. Auf einmal kamen einige Sol­daten, die vom Könige abgesandt waren, und sagten zu ihr:Unsere Schwester, nimm dein Kind auf den Rücken, mache dich bereit zur letzten Stunde und komm mit uns." Die arme Frau war standhaft, nahm ruhig, wie gewohnt, ihr Kind auf den Rücken, und folgte den Soldaten hinaus auf einen Felsen, der vom westlichen Rande von Magdala 300' tief senkrecht abfällt. Über denselben wurde sie auf Befehl des Königs rücklings mit ihrem Kinde hinabgestürzt, und in der nächsten Minute lagen die beiden Leichen grausam zerschmettert unten.

So verging der Donnerstag. Wir gedachten mit Wehmut des treuen Debtera Sahelu, dem ein Jahr vorher an demselben Tag Hände und Füße abgeschnitten worden waren. Das Gemetzel des heutigen Tages machte auch aufs neue den ängstlichen Gedanken in uns rege:Morgen wird es wohl auch uns ebenso ergehen." Die Nacht brach an, und wir übergaben uns in die Hände des barm­herzigen Gottes.

II.

Die Schlacht am Charfreitag. Sieg der Engländer. Verzweiflung des Königs. Sein Selbstmord.

Morgens 6 Uhr kamen königliche Boten eilig in unsere Zelte gelaufen und befahlen uns, so schnell als möglich zum König zu kommen. Wir erschraken zuerst über das unruhige geheimnisvolle Benehmen der Boten, faßten uns aber und folgten ihnen. Der König, der auch heute in seiner innern Unruhe stets hin- und her­lief, grüßte uns kalt und befahl uns, den Wagen zur Abfahrt bereit zu halten. Dann ging er in sein Zelt zurück, während die Arbeiter Kanonen und Wagen mobil machten. Nach einiger Zeit kam er im königlichen Schmuck, in einem von Gold und Silber glänzenden Gewände wieder heraus, in seiner Hand die drohende Lanze und in seinem Gürtel zwei Doppelpistolen, die schon manchem Menschenleben ein Ende gemacht hatten. Mit der rechten Hand ließ er die Lanze vibrieren, und die linke hatte er auf den Griff der einen Pistole ge­legt. So stand er lange Zeit auf einer kleinen Anhöhe still und schaute trüb und finster hinauf nach Magdala und wieder herab auf uns und die vielen Soldaten.Heute sieht es nicht gut aus," sagten wir untereinander,der Herr stehe uns bei, denn sonst haben