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Abessinische Kriegsbilder.
weswegen sie oft zu Gesandtschaften zwischen christlichen Fürsten gebraucht werden. Sie sind in der Welt des Islam sehr gut angesehen, und es gehen aus ihrer Mitte oft Scheichs hervor, die man auch in Djidda und dem übrigen Arabien sehr hoch verehrt und eines näheren Umgangs mit Gott teilhaftig glaubt.
Die Wahl der Waren, die ein Neggads nach Massua bringt, ist durch alte Gewohnheit geregelt; es würde einem kleinen Handelsmanne sehr übel genommen werden, wenn er Elfenbein und Gold mit sich brächte, was nur den großen Kaufleuten gestattet ist.
Der christliche Neggads ist listig und interessiert, aber nicht sehr intelligent und ein ziemlich schlechter Rechner, daher ihn sein Geschäftsfreund in Massua, der mohammedanische Nesil, mit guten Worten nach seinem Wunsche, aber natürlich nicht immer zum Vorteil des Christen zu behandeln versteht. Aber der Krug geht eben nur so lange zum Brunnen, bis er bricht, und Rechtlichkeit bewährt sich auch in Massua als die einzig dauerbare Grundlage des Verkehrs.
W. Munzinger.
AbeWsche Kmgsbilder.
Erlebnisse des Missionars Th. Waldmeier.*)
I
Gründonnerstag 1868 in Magdala. — Anrücken der Engländer. — Nieder- metzelung der Gefangenen.
Am frühen Morgen schon begann der Tag zu trauern, schwere Wolken fingen an, die kaum aufgegangene Sonne wieder zu verschleiern.
Die englischen Truppen rückten immer näher; den König, der dies wohl wußte, befiel eine große Unruhe, die ihn unstät von einem Ort an den andern trieb; statt des gewohnten Mutes und der Thatkraft, wodurch er sich stets ausgezeichnet hatte, wandelte ihn nun eine auffallende Verzagtheit an, die seinem ganzen Benehmen einen niedrigen Anstrich gab und auf die Soldaten einen entmutigenden Einfluß ausübte. Der düstere Wolkenhimmel spiegelte ganz die
') Theophil Waldmeier. Erlebnisse in Abessinien. Basel, 1869.