Print 
Die Arbeiterverhältnisse und Besiedelungsversuche in den portugiesischen Besitzungen Sao Thomé, Angola und Portugiesisch-Ostafrika / von Oskar Bongard
Place and Date of Creation
Page
62
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

62

erzielen. Sie entwöhnen die Neger von der Arbeit, locken immer mehr derselben in ihren Bezirk und entziehen dadurch den Prazos, wo Arbeiter gebraucht werden, die Möglichkeit der Weiterentwickelnng.

Daß solche Übelständc einreihen konnten, ist aber lediglich der fehlenden Staatsaufsicht zuzuschreiben.

Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Institution der I>r :»208 äa evroa Znr Förderung der Eingeborenenknlturen bedeutend beigetragen hat. Wir haben gesehen, daß die Kopfsteuer fast ausschließlich in Naturalien, meist Erdnüssen erhoben wurde, hierdurch wird der Eingeborene einmal daran gewöhnt selbständig Ackerbau zu treiben, und dann entstand ein nicht gering anzuschlagendes Aus­fuhrprodukt.

Anfangs der neunziger Jahre hatte der Anbau der Ölfrüchte, Sesamsaat und Erdnüsse, bei den Negern so stark zugenommen, daß bei guten Ernten von ersterem 3050000 Säcke, von letzterem 80lOOOOO Säcke im Jahre exportiert wurden. Außerdem wurden Bohnen, Reis nnd Mama (Negerhirse) in beträchtlichen Mengen als Nebenprodukte geerntet und vielfach nach Arabien ausgeführt.

Nach der deutschen Statistik betrug die Einfuhr aus Portugiesisch-Ostafrika

direkt:

1902

1903

1904

Erdnüsse:

4174800 kx

1426700 less

1503400

Sesam:

453 700

228400

541600

II. Die Arbeiterausfuhr.

Die Ausfuhr von Negern aus der Provinz Mozambique geschieht auf zweierlei Weisen. Zunächst die heimliche Ausfuhr, der Sklavenraub, und dann die Ausfuhr der Arbeiter unter der Aufsicht des Staates für eine bestimmte Bertragszeit unter Bedingungen, welche der Staat festgesetzt hat.

1. Die Ausfuhr von Sklaven.

Sklavenhandel und Sklavenraub haben bis auf den heutigen Tag in der ostafrikanischen Besitzung Portugals nicht aufgehört.

Am 11. März 1853 wurde der Regierung ein Vorschlag zur Bildung einer Gesellschaft vorgelegt, welche sich die Verwaltung und Ausbeutung der portugiesischen Besitzungen Ostafrikas vorgenommen hatte. In dem amtlichen Gutachten über diesen Vorschlag heißt es unter Nr. 4, es sei äußerst dringend, daß an der Ostküste Afrikas durchgreifend der Sklavenhandel verfolgt werde.*)

*) Die ZeitschriftkortuAg.1 ein ^krilra", Jahrgang 1902, Seite 357.