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Die Arbeiterverhältnisse und Besiedelungsversuche in den portugiesischen Besitzungen Sao Thomé, Angola und Portugiesisch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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226 Schmiede, 135 Töpfer, 47 Maurer, welche das Jahrbuch für 1898 aufführt, sind mit wenigen Ausnahmen Eingeborene; die Gonvernementsdruckerei zählt nicht weniger als sechs Setzer und sieben Drucker und Gehülfen; alles gleichfalls Ein­geborene.

In Angola finden sich unter dreizehn Angestellten des Generalsekretariats zwölf Eingeborene der Provinz, darunter der erste Beamte, sowie ein aus S. Thoms gebürtiger Schreiber. Auch die höher gestellten von ihnen begannen ihre Laufbahn als einfache Schreiber und rückten nach und nach zu Sektions- und Abteilnngschefs, einer sogar zum Oberbeamten auf, und dieser hat schon einige mal die Geschäfte des Generalsekretariats zu führen gehabt. Auch in der Kassen-, Post-, Telegraphen- und Zollverwaltung sind viele Eingeborene angestellt und sie zählen nicht zu den schlechtesten Beamten. Es gibt überhaupt keinen Verwaltnngszweig der Provinz, in dem nicht Eingeborene dienen.

Mischlinge spielen unter diesen Leuten eine weniger beteutende Rolle. Alan sagt mir, sie seien meist schwächlich, vielfach rachitisch und pflanzten sich nicht bis zur dritte Generation fort. Ein hübscher Zug ist es, daß bei in der Kolonie zwischen Portugiesen und Portugiesinnen geschlossenen Ehen etwa vorhandene Kinder, die aus Verbindungen des Mannes mit Negerinnen stammen, in die Familie aufgenommen werden.

In neuster Zeit tragen die katholischen Missionen viel zur Erziehung von Handwerkern und überhaupt zur Erschließung des Landes bei. Die Vüter vom Heiligen Geist, die hier in Betracht kommen, sind vorwiegend Elsässer, sowie Franzosen und in katholischen Missionsschulen erzogene Portugiesen.

Seitdem die portugiesische Regierung erkannt hat, daß sie mit eigenen Kräften das Werk der Kolonisierung nicht vollbringen kann, gibt sie an die genannte Mission Subventionen und nicht zu ihrem Schaden. So wurde für die Cnanhama-Mission im Jahre 1900 ein jährlicher Zuschuß von ca. 17000 M. ausgesetzt. Von diesem Zeitpunkt an drang die Mission in Gebiete vor, an deren Bekanntwerden und faktische Occupation Portugal noch nicht hatte ernsthaft denken können. Ihre

Zöglinge erwirbt sie hauptsächlich durch Kauf minderjähriger Sklaven.

Die Missions-Station in Hnilla, eine Musteranlage, die eine kleine Stadt bildet, zählte im Jahre 1901 Zweihundert Zöglinge. Dort werden neben den gewöhnlichen Fächern des Schulunterrichts allerlei Handwerke gelehrt. Es besteht eine Gerberei, in der als Gerbstoffe nur einheimische Rinden und Blätter verwendet werden, eine Schneiderei, Schusterei, Zimmerwerkstatt, Bnchdruckerei, Bierbrauerei, Schmiede, Tischlerei, Wagensabrik und Ziegelei, eine große Dampfmaschine für den Betrieb von acht Holzsägen, einer Mahlmühle, Drehbank usw.; sogar ein photo- graphisches Atelier. Die Mädchen lernen Lesen, Schreiben, Rechnen, werden in Handarbeiten aller Art, im Waschen, Plätten, Kochen und landwirtschaftlichen Arbeiten unterrichtet.

Landwirtschaft und Viehzucht wird in umfangreichem Maße betrieben.

IV. Die Deportierten als Arbeiter.

Die Verwendung von Deportierten in den portugiesischen Kolonien ist ebenso alt wie diese Kolonien. Schon bei den ersten Entdeckungsfahrten setzte man zum Tode verurteilte Verbrecher an der Küste aus, die das Land erforschen sollten und dafür ihr Leben geschenkt erhielten, dasselbe aber in den neu entdeckten Ländern