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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
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Deutsch-Ostafrika.

man an Kreuzwegen zersprungene Thongefäße mit dem Boden nach oben zur Hälfte ein oder bringt hier und da kleine Ruten mit wunderkräftigen Zaubermitteln an. Mitte April ist die Maisernte vorüber, die Kolben werden abgebrochen und dann die ganzen Stauden ausgerissen, wobei der Boden durch das Ausreißen etwas aufgelockert wird. Die Kolben werden in großen Rindenschachteln ins Dorf getragen und dort in der Hütte belassen, um entweder an hohe Stangen gebunden oder in sehr großen 111/2 m hohen und ebensolchen Durchmesser haltenden Rinden­schachteln (Kiu; Lindo) ohne Deckel offen aufbewahrt zu werden, bis sie nach etwa zwei oder drei Monaten steinhart ausgetrocknete, goldgelbe Körner zeigen. Hierauf schichtet man sie möglichst dicht in Schachteln, steckt die obersten Maiskolben kuppelartig mit den Spitzen nach unten dicht zusammen und überstreicht die Kuppel und die Nähte der Rinden- schachtel mit Lehm, welchem Asche beigemischt ist, um die Maisernte gegen Termiten und die sehr zahlreichen Ratten zu schützen, was man damit auch vollkommen erreicht. Derartige Lindo stellt man auf einem knie­hohen Pfahlrost entweder im Innern der Hütte oder unter der Veranda auf. Die schönsten Kolben mit den großen Körnern sucht man in ge­nügender Anzahl aus und bindet sie in Bündeln in der Hülle als Saat­korn in der Hütte an einen Sparren des Kegeldaches.

Die Sorghumhalme haben mit dem Mais dieselbe Höhe erreicht und können sich nun, nachdem der Mais entfernt ist, freier entwickeln. Ganz ungestörten Besitzens des Bodens darf sich jedoch der Sorghum nicht allenthalben erfreuen, denn je nach Bedarf werden in den besseren Böden auf größerer oder kleinerer Fläche zwischen die Halme in die noch feuchte Erde Gurken-, Kürbis-, Melonenkerne und Strauchbohnen gesteckt, deren Ranken schließlich den Boden ganz überwuchern.

Die Mais- und Sorghumkultur ist in Afrika sicher schon uralt und jedenfalls nicht in geschichtlicher Zeit dort eingeführt. Den Reisbau hin­gegen haben die Wanyamwesi von den Arabern übernommen, derselbe be­ginnt erst jetzt allgemein eingeführt zu werden; doch zieht der Neger mit Recht immer den viel kräftigeren Sorghum vor.

Industrie der Wanyamwesi. i)

Die industriellen Erzeugnisse stehen nicht höher, als die der meisten anderen Negerstämme. Töpfe aus Thon herzustellen, ist eine Obliegen­heit der Frauen. Sie stampfen und reinigen das Material und formen daraus den Topf ohne Drehscheibe, ganz aus freier Hand. Nachdem er lufttrocken geworden, wird er gebrannt und mittels des Blätterextraktes aus einem Msima genannten Baume mit allerlei schwarzen Linien und Dreiecken verziert. Die thönernen Köpfe für die Wasserpfeifen der Männer

Dr. F. Stuhlmann:Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika", S. 79.