Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
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Typhus in den Tropen.

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Station für völlige Wiederherstellung Sorge tragen; die englisch - indischen Hill­stations am Südabhange des Himalaja, in den Nilgiri-Hills und auf Ceylon sind vorbildliche Gesundheitsstationen.

Die Serumbehandlung, auch für Typhus schon versucht, steht noch zu sehr in ihren Anfängen und sind die meisten Autoren über ihr bisheriges Fiasko einig, wenn auch Chantemesse (Paris) auf dem Agypt. Med.-Kongresse 1902 angab, er habe durch sein Serum die Typhusmortalität von 12°/ 0 auf 4,7 °/ 0 herabgesetzt.

Prophylaxe.

Die Prophylaxe soll nicht nur defensiv sein, indem sie für Reinerhaltung der bei Gelegenheit der Ätiologie besprochenen Infektionswege sorgt, sondern sie muß auch offensiv betätigt werden durch Unschädlichmachung der Exkrete der Typhuskranken, in welchen wir allein die ständige Quelle neuer Infektionen und Epidemien zu suchen haben. In erster Linie wird man also besonders für die größeren Plätze unter den Tropen reines und gutes Trink- und Nutzwasser liefernde AVasserleitungen und geeignete, eine rasche Fortschaffung der Fäkalien an unschäd­liche Stellen ermöglichende Kanalisation fordern müssen. An kleineren Plätzen und isolierten Wohnstätten sollten tiefe, gedeckte und ausgemauerte Abtrittsgruben an­gelegt werden, welche von den zur Wasserentnahme dienenden, ebenfalls ausge­mauerten, mit Sanduntergrund versehenen Cisternen weit entfernt und so gelegen sind, daß das Gefälle des Grundwassers sich von den Wassercisternen nach den Abtritten hin senkt. Der offensiven Prophylaxe wird man gerecht werden durch Zerstörung und Desinfektion der Typhusstühle und des Typhusurins, welcher Milliarden von Bazillen enthalten kann (Nephrotyphus, Petruschky). Die Typhus­stühle sollen nach Romberg sofort mit höchstens 4 Tage alter Kalkmilch (1 Teil gelöschter Kalk auf 24 Teile Wasser) vermischt werden und dann eine Stunde stehen bleiben, ehe sie in den ebenfalls mit Kalkmilch behandelten Abtritt geleert werden, während der Urin durch Zusatz von 5 % Karbollösung oder Lysol zu des­infizieren wäre.

Blake Knox hält wohl nicht mit Unrecht die Urindesinfektion für unmöglich und illusorisch, da ja schon die Entleerung unkontrollierbar ist; er fordert deshalb dringend, dah jeder Patient mit trübem Urin eine Urotropinkur (dreimal täglich 0,5) von der Dauer einer Woche durchmache und daß im Kriegsfälle, wo regelmäßige Urinuntersuchungen unmöglich sind, auch jeder Rekonvaleszent einer Urotropinkur unterworfen werde.

Whitehead empfiehlt Vermischung der Stühle mit Sägespänen und darauf­folgendes Verbrennen oder Zusatz von folgender Lösung, Sublimat 14,0, Acid. hydrochloric. 28,0, Anilinblau 0,3 auf 14 Liter Wasser; die so unschädlich gemachten Stühle sind noch 2' unter die Erde zu begraben. Daß beschmutzte Wäsche, schon zum Schutze der Wäscher, zu desinfizieren ist, versteht sich von selbst, das gilt auch von Matratzen und Betten. Energischer Krieg ist gegen die höchst verdächtigen Fliegeu zu führen und besonders sind alle Speisen vor ihnen zu sichern; die gedeckten Abtrittsgruben werden sowohl ihre Entwicklung hintan­halten als auch den entwickelten Tieren keine Gelegenheit zum Besuche und zur AVeiterverschleppung infektiösen Materials geben. Es läßt sich noch von einer per­sönlichen, privaten Prophylaxe sprechen, welche darin besteht, daß das einzelne Individuum, speziell der Europäer, durch Anpassung an die als hygienisch erkannte Lebensweise des betreffenden Tropenlandes und durch A T ermeidung von Exzessen jeder Art dafür sorgt, daß in ihm keine vermehrte, persönliche Disposition zur Er­krankung aufkommen kann.

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