Kranken die Prognose erheblich verschlechtern, beweisen die von den letzten Feldzügen der Amerikaner und Engländer gewonnenen Zahlen mit ihrer erschreckend hohen Typhusmortalität vollauf. Dennoch soll von diesen Zahlen hier kein Gebrauch gemacht werden und ist auch bisher jede Beziehung auf Zahlen möglichst vermieden worden, weil diese bei Fortdauer der großen, diagnostischen Irrtümer bis in die neueste Zeit als absolut unzuverlässig erscheinen müssen und höchst wahrscheinlich immer noch weit hinter der erschreckenden Wirklichkeit Zurückbleiben. Es steht zu hoffen, daß von den jüngsten Kriegsschauplätzen in der Mandschurei und Deutsch-Südwestafrika unter endlichem Ausschlüsse der Malariaverwechslung wertvollere Berichte über unser Thema einlaufen werden, von denen aber schon heute leider mit Sicherheit vorausgesagt werden kann, daß sie eine nicht minder hohe Mortalitätsziffer bringen werden. Die namentliche Verlustliste an Typhus aus Südwestafrika führt eine beredte Sprache.
Therapie.
Die Behandlung des tropischen Typhus wird sich nur wenig von der des europäischen unterscheiden, nur unterliegt sie den mutatis mutandis des tropischen Milieus; sie läßt sich in vier Abschnitte zerlegen, deren beide ersten die beiden letzteren sehr an Wichtigkeit übertreffen. Obenan steht 1. die Diät, bezüglich welcher in den letzten Jahren die ärztlichen Ansichten eine große Wandlung erfahren haben. Die früher ausschließlich in Anwendung gebrachte flüssige Ernährung, welche vielleicht in einem gewissen Grade in kausalem Zusammenhänge mit den für Typhus typischen Diarrhöen stehen mag, ist ein überwundener Standpunkt und man huldigt der Ansicht, der Typhuskranke müsse, wenn er überhaupt imstande ist, die seinem Leiden eigene Appetitlosigkeit zu überwinden, möglichst kräftig ernährt werden, um der faktisch vorhandenen, gefahrbringenden Autophagie — es besteht nach Engel ein täglicher Verlust von ungefähr 250 g Muskelfleisch — wirksam st entgegenzutreten. Man wird also außer der in erster Linie zu berücksichtigenden Milch noch ohne jede Besorgnis schleimige Suppen, Melil-, Gries- und Reisbrei, den Bubur und Nassi Tim des malaiischen Archipels, geschabtes und gehacktes Kalb- und Hühnerfleisch, Hirn und Bries (sweetbread), Beeftea, Valentines meatjuice, Suppen mit Eigelb und Liebig's Extrakt, selbst Kartoffelbrei, Spinat, Apfelkompot, gequetschte Papaya und Anonamark und trockenen Zwieback geben dürfen, welch’ letzterer von F. Müller (Therapie der Gegenwart, 1904, p. 26) als das beste Mundreinigungsmittel empfohlen wird. Die Milch, von der bei ausschließlich auf sie basierter Diät mindestens IV 2 Liter (= 3 pints) täglich gegeben werden muß, ist unter den Tropen in guter Dualität nur schwierig zu beschaffen, oft sogar ganz unerhältlich, Ersatz durch Milchkonserven ist wegen des hohen, eventuell Diarrhöen begünstigenden Zuckergehaltes dieser nicht ratsam; da wo sie aber tadellos zu erhalten ist, steht sie sicher in der Diät obenan und man darf ihr behufs feinflockiger Fällung des Kaseins Zusätze von Kaffee, Thee, Salz oder auch etwas Kognak machen oder sie, wie von amerikanischer Seite warm empfohlen wird, mit Vichywasser ää verdünnen. Die Getränkezufuhr, nur reines, kühles Wasser, soll reichlich, besser „unlimited“ sein, eine leichte Vermengung mit Fruchtsäften oder leichte Ansäuerung mit verdünnter Salzsäure, ebenfalls in Amerika gebräuchlich, kann nicht schaden. Das Verhalten der Zunge wird den besten Aufschluß über genügende oder ungenügende Wasserzufuhr geben; sie bleibt feucht, solange der Patient genug trinkt, wird sie aber trocken und rissig, so besteht ein zu korrigierendes Defizit. Der Alkohol, welcher früher in Form großer Weinmengen allgemein gegeben wurde, findet nirgends