Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
381
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Typhus in den Tropen.

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Diagnose.

Diese erscheint nunmehr, nachdem der verwirrende Begriff der Remittens ge­fallen lind Malaria immer durch Blutbefunde nachzuweisen ist, nicht so schwierig und muß jedes kontinuierliche Fieber, für welches kein völlig erklärender, ander­weitiger Grund vorliegt, mit Verdacht auf Typhus belegt werden. Der wohl­charakterisierte Fall wird bei genauen Temperaturmessungen und bei Anwesenheit von Milztumor, Roseola, Diarrhöe und Bronchitis nicht zu verkennen sein, und der erfahrene Arzt wird diese Diagnose ohne bakteriologischen Nachweis, ohne Diazo- reaktion und ohne GRUBER-WinALsche Probe stellen können. Auch die leichten, ambulatorischen und abortiven Formen werden da, wo Typhus endemisch ist oder epidemisch auftritt, durch die gleichzeitigen, gut entwickelten Fälle aufgeklärt werden. Da trotz schon einmal überstandenem Typhus Neuerkrankungen Vorkommen, darf anamnestischer Typhus nicht gegen die Diagnose Typhus verwertet werden. Die natürlich ideale, bakteriologische Diagnostik bietet große Schwierigkeiten aus den oben bei der Ätiologie schon besprochenen Gründen und ist unter den Tropen wohl nur an sehr gut ausgestatteten Hospitalen mit größerem Stab von ärztlichen Hilfsarbeitern ausführbar. Von zwei Seiten sind neue bakteriologische Verfahren angegeben, welche eine Schnelldiagnose des EBERTHschen Bazillus ermöglichen sollen; auf der von Piorkowski erfundenen Uringelatine soll der Nachweis des Bazillus aus dem Stuhle nach 20 Stunden zu führen sein, die Uringelatine dürfte sich aber in der tropischen Temperatur als nicht haltbar erweisen; nach dem Ver­fahren von Drigalski-Conradi soll auf gefärbtem Nährboden auf Grund des ver­schiedenen Gärungsvermögens eine sichere, farbige Trennung des EBERTHschen Bazillus von Colibazillen in gleich kurzer Zeit sich ausführen lassen. Die Diazo- reaktion Ehrlichs läßt sich rasch und überall anstellen, wird aber bezüglich ihres Wertes sehr verschieden beurteilt; eher dürfte sie von prognostischer Bedeutung sein, da sie bei ausheilenden Typhen noch beim Bestände schwerer Krankheits­symptome bereits nachläßt und in Fällen, denen Nachschübe oder Rezidive folgen, nicht schwindet. Diese Reaktion scheint außer bei Typhus regelmäßig nur bei Masern vorzukommen und ist durch Honig (Klin. therap. Wochenschrift, 1900, Nr. 2031) zu einem (piantitativen Verfahren ausgebildet, nach welchem die not­wendige Menge des Reagens in direktem Verhältnisse zur Schwere der Krankheit steht. Jedenfalls kann die Diazoreaktion die Diagnose nur stützen. Wichtiger ist die GRUBER-WiDALsche Serodiagnose, welche darauf beruht, daß das Serum von Typhuskranken vom 7.10. Krankheitstage an und das von Typhusrekonvaleszenten oft auf Jahre hinaus auf Kulturen von Typhusbazillus agglutinierend und paraly­sierend wirkt. Noch starke Verdünnungen von 1 auf 30, 50 und 100 genügen zum positiven Ausfall dieser Reaktion. Da aber auch das Serum Gesunder und anderer Kranker Typhusbazillen agglutiniert, hierzu jedoch größere Serummengen nötig sind, so muß man für Typhus zum positiven Ausfall der Reaktion mindestens eine Ver­dünnung von 1 auf 25 und Agglutination mit Paralyse der Bazillen, keine Pseudo­agglutination, fordern. Nach Caccialanza (Rif. med. Febr., 1903) ist die WiDALsche Reaktion in den leichten, atypischen Fällen immer vorhanden, fehlt aber oft in den schweren, was auch Descosse aus Algerien bestätigt, welcher das Fehlen der Reaktion als prognostisch übles Vorzeichen nimmt. Der positive Ausfall desWidal kann unter den obigen Bedingungen im Gegensätze zur Diazoreaktion die Diagnose sichern. Da aber die WiDALsche Reaktion wegen des großen zu ihrer Ausübung nötigen Apparates für den Praktiker unter den Tropen kaum als immer ausführbar erscheint, so sei hier auf die von Ficker (Berlin, klin. Woclienschr., 1903, Nr. 45)