Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
375
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Typhus in den Tropen.

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Verlauf und Kraukkeitsersclieinungen.

Ehe auf die den tropischen Typhus besonders auszeichnenden Details näher ein­gegangen wird, scheint es geboten, gerade an dieser Stelle auf seine erste und größte Eigentümlichkeit hinzuweisen, welche darin besteht, daß sowohl unregel­mäßige, atypische, als auch leichteste, oft ambulatorische und abortive Formen die Regel sind und daß diese die schulmäßig verlaufenden Fälle numerisch weit über­treffen. Es ist dies eine bei allen Autoren wiederzufindende Beobachtung, welche aber auffallenderweise mehr für die Eingeborenen als für die unter den Tropen lebenden Europäer zutrifft. Däubler sagtder Typhus verläuft milde und unge­fährlich unter den Tropen, nach Rho sind in Massauah die leichten Formen vor­herrschend und endemisch, Dr. Görger bestätigt mündlich gleiches für Neusüd­wales und nach Descosse (Algier) sind die abortiven Formen von 9 tägiger Dauer häufig bei Eingeborenen, selten bei Europäern, während Peyret (Crespin 1. c. p. 63) wörtlich sagtil nest pas temeraire davancer, que beaucoup de tirailleurs (indigenes) ont fait leur fievre typhoide sans interrompre leur Service.Leichte und abortive Formen bildeten die große Mehrzahl der Fälle mußte von dem auf Sumatra ende­mischen Typhus gesagt werden, welcher ebenfalls die meisten Patienten die In­fektion ambulant durchmachen ließ, und Wentworth Tyndale berichtet (Brit. Med. Journ., 1902, p. 384), daß während des letzten südafrikanischen Krieges in Prätoria ungefähr 100 Fälle eines kurzen, im Durchschnitte 8 V 2 Tage währenden, remittierenden, sehr zu Rezidiven neigenden Fiebers vorkamen und daß alle diese Fälle vonPrätoriafieber als abortive Typlien erkannt wurden. Es ist begreiflich, daß diese wichtige, die Allgemeinheit der Fälle treffende Eigentümlichkeit viel zur Verkennung des Leidens beigetragen hat. Mögen doch auch in Europa viele leichte Infektionen als gastrische Fieber etc. der Registrierung entgehen; aber als die Regel bestätigende Ausnahme kommen unter den Tropen auch völlig ausgebildete, klassische Schulfälle vor.

Die Angaben bezüglich der Inkubationszeit variieren ganz außerordent­lich, was wohl von der Schwierigkeit herzuleiten ist, den genauen Zeitpunkt der Infektion mit dieser ubiquitären Krankheit festzustellen. Es werden sehr kurze, nur wenige Tage betragende Fristen (Crespin 1. c. 56 Tage) und solche bis zu 21, 27, 29 und selbst 30 Tagen angegeben. In der Mehrzahl der Fälle dürfte wohl mit einem Zeiträume von 1014 Tagen zu rechnen sein. Nachdem aber sogar für den europäischen Typhus, von dem doch so viele Epidemien genau studiert worden sind, nur sehr schwankende Angaben bestehen, ist für den erst spät erkannten, tropischen Typhus noch viel weniger eine sichere Begrenzung des Termines zu er­warten. Daß aber die Virulenz und Menge der verschluckten Infektionsträger hier nicht ohne Bedeutung ist, scheint gerade aus den so verschiedenen Zeitmessungen hervorzugehen.

Als Prodrome der Krankheit lassen sich geistiges und körperliches Krank­heitsgefühl, Schwäche und Müdigkeit, Gliederschmerzen die Füße wollen den Dienst versagen frontale oder supraorbitale Kopfschmerzen, Ruhelosigkeit, Schlaf­losigkeit und fast völlig aufgehobener Appetit vermelden; Klagen über Husten und Durchfall fehlen im Initialstadium meistens. Auffällig und konstant erscheint eine rötliche Injektion des Gesichtes; die Chinesen auf Sumatra sahen blaurot wie er­froren aus und Whitehead spricht von einemhectic flush on the c-heeks. Die Zunge ist dick, weißlich belegt und es besteht ein andauerndes, aber nicht oft zum vollen Schüttelfrost führendes Frösteln als Ausdruck der bei Behandlungsanfang oder Hospitalaufnahme schon hohen Temperatur. Die Temperaturkurve (vgl. S. 376) ist