Typhus in den Tropen.
373
die dort erworbene Immunität verlieren, so die in Sumatra eingewanderten Südchinesen und Javanen, in deren Heimat Typhus ebenfalls endemisch vorkommt, ferner die zu Zeiten des Sklavenhandels von Westafrika nach Amerika gebrachten Neger, welche in den Südstaaten in Menge an Typhus starben (Levis). Es wäre einerseits denkbar, daß sich die an einem Platze erworbene Immunität nicht gegen die an einem anderen Orte vorkommende Varietät des Bazillus bewährt, andererseits führt ein Vaterlandswechsel, wie ihn Negersklaven und chinesische Kulis ausführen müssen, so viele schädigende und schwächende, physische und psychische Momente mit sich, daß auch durch diese eine bestehende Immunität zu Verlust kommen könnte.
Das einmalige Überstehen der Krankheit verleiht wie in Europa eine gewisse Immunität gegen weitere Infektion, doch scheint dieser Schutz unter den Tropen nicht so sicher zu sein, da auf Sumatra unter den dort arbeitenden, chinesischen Kulis nicht zu selten eine und sogar mehrere Neuerkrankungen nach so langen, zeitlichen Intervallen sicher beobachtet werden konnten, daß die Möglichkeit eines Recidivs auszuschalten war.
Pathologische Anatomie.
Die nicht zu reichlichen Sektionsbefunde aus tropischen Ländern decken sich völlig mit den aus Europa genugsam bekannten und es sind die gleichen Veränderungen, welche sich aus allen Gebieten verzeichnet finden. Ihre Beständigkeit hat viel zur Erkennung des Leidens unter den Tropen beigetragen und dadurch ist die Identität des tropischen und subtropischen Typhus mit dem der gemäßigten Zonen völlig bewiesen. Die Gesohwiirsbildung im Darmeist die Hauptsache, und es sind diese Geschwüre, welche im Dünndarme ovale Form und einen der Längsachse des Darmes parallelen Längsdurchmesser besitzen, während sie im oberen Dickdarme eine mehr rundliche, aber völlig regelmäßige Kontur zeigen, leicht von den durch tropische Dysenterie gesetzten Läsionen zu unterscheiden (Fig. 1). Letztere befinden sich mehr in der Flexura sigmoides und im Rectum, sind größer und von unregelmäßiger Form und ergreifen die Schleimhaut ohne Bevorzugung des Drüsengewebes.
Auf Sumatra war bei Typhus die weitaus häufigste Todesursache eine Komplikation mit Dysenterie, die „finale“ Dysenterie, wie sie in den Kulihospitalen genannt wurde, welche wohl mit Buchanax’s terminaler Dysenterie (Brit. Med. Journ. 1899, p. 653) identisch sein dürfte. Wie Dr. Maurer, welcher über Typhussektionen verfügt, brieflich mitteilt, war dann das Bild schwerster, diph- theritischer Dysenterie und auch häufig eiteriger Peritonitis, vom untersten Dickdarme ausgehend, so vorherrschend, daß die durch Typhus gesetzten Veränderungen übersehen wurden. Römer (Geneeskundige bladen uit Kliniek en Laboratorium Nr. IX, Haarlem 1903), der ebenfalls über auf Sumatra gewonnenes Sektionsmaterial verfügt, gibt an, daß er öfters die typischen Danngeschwüre nur im Cöcum einige Male sogar nur auf der Schleimhaut des Appendix gefunden habe. Es ist bei der Sektion meist sehr schwer, den Sitz einer im Leben stattgehabten Blutung nachzuweisen, d. h. die durch ein Ulcus arrodierte Arterienwand aufzufinden. Cresrin unterscheidet beim algerischen Typhus zwei Arten von Darmblutung: 1. die bereits erwähnte, welche in Algier sehr selten und noch seltener auf dem Obduktionstische zu demonstrieren ist, und 2. eine flächenhafte, kapilläre Blutung der Darmschleimhairt, welche er „un processus general hemorragipar“ nennt, wobei es zur Ausscheidung eines blutigen Exsudates auf der Oberfläche des Darmes kommt; die Schleimhaut ist dann stark injiziert und ihre Kapillaren maximal erweitert. Es erscheint kaum nötig, hier auf die wohlbekannten Veränderungen