Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
318
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l)r. Paul Krause und I)r. Tu. Rümpf.

Die Choleradiarrhöe bestellt gewöhnlich nur 12 Tage, selten bis zu 24 Tagen.

Die Cholerine dauert meist nur 12 Tage, selten vergehen bis zur'Wieder­herstellung 1014 Tage.

Die Cholera gravis ist von etwas längerer Dauer, besonders wenn ihr Diarrhöen vorausgehen. Der eigentliche Anfall braucht aber nur Stunden lang zu sein, häufig schon deshalb, weil der Tod eintritt und das Stadium oomatosum sich daran anschließt.

Nach Griesinqer erfolgt die Hälfte aller Todesfälle im Laufe der ersten 48 Stunden, die große Mehrzahl von diesen wieder am ersten Tage. Von den fast 5000 Todesfällen der ersten Pariser Epidemie betrug die mittlere Dauer 61, auf der Höhe der Epidemie nur 43 Stunden.

Ähnliche Erfahrungen wurden bei der Epidemie in Hamburg vom Jahre 1892 ge­macht; dagegen erfolgte im Jahre 1893 weniger als die Hälfte der Todesfälle in den ersten drei Tagen, die Mehrzahl aber später bis zum 24. Tage.

Die durchschnittliche Mortalität der Cholera wird auf 5060% angegeben.

Diagnose der Cholera.

Die Diagnose der Cholera ist bei ersten Fällen schwierig. Das Krankheitsbild ist in einzelnen Fällen zwar so charakteristisch, daß differentialdiagnostisch nur Cholera nostras und ev. Arsenvergiftung in erster Linie in Frage kommt. 'Wenn gehäufte Fälle mit großer Mortalität auftreten, wird klinisch die Diagnose sicher zu stellen sein. Im einzelnen Falle aber wird die bakteriologische Untersuchung aus­schlaggebend sein.

Von dieser Erwägung ausgehend ist vom preußischen Ministerium folgende Anleitung für die bakteriologische Feststellung der Cholerafälle herausgegeben worden, welche wegen der Wichtigkeit der Sache hier in extenso folgt. Dieselbe ist von Robert Koch, von Prof. Kirchner und Kolle ausgearbeitet, nach Einholung von gutachtlichen Äußerungen sämtlicher preußischer Professoren der Hygiene unter Mitwirkung von C. Flügge und Kossel festgesetzt worden und enthält alles Nötige.

Anleitung für die bakteriologische FeststeUung der Cholerafälle.

I. Untersuchungsmethoden.

1. Mikroskopische Untersuchung

a) von Ausstrichpräparaten (wenn möglich von Schleimflocken), Färbung mit ver­dünnter Karbolfuchsinlösung (1:9);

b) im hängenden Tropfen, anzulegen mit Peptonlösung, sofort und nach halbstündigem Verweilen im Brutschrank bei 37° frisch und gefärbt zu untersuchen.

2. Gelatine platten.

Menge der Aussaat eine (>se (womöglich von einer Schleimflocke), zu den Ver­dünnungen je drei Ösen. Zwei Serien zu je drei Platten anzulegen, nach 18 stündigem Verweilen im Brutschrank bei 22° bei schwacher Vergrößerung untersuchen, Klatsch- ev. Ausbruchpräparate und Reinkulturen hersteilen.

(Wegen Zubereitung der Gelatine s. Anhang Nr. 1.)

3. A g a r p 1 a 11 e n. J )

Menge der Aussaat eine Ose, welche in bekannter Weise zur Herstellung von drei Platten verwendet wird. Zur größeren Sicherheit ist diese Aussaat doppelt anzulegen.

r ) Die mit solchem Agar hergestellten Platten müssen, ehe sie geimpft werden, eine halbe Stunde bei 37° im Brutschränke mit der Fläche nach unten offen gehalten werden.