Das Dengue-Fieber.
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3. Die genannten cerebralen Symptome sind bei Dengue selten; ich sah sie niemals.
Bei Influenza werden sie häufig beobachtet; selbst vorübergehende oder bleibende Psychosen sah ich öfters.
4. Bei Dengue sind noch nicht mit Bestimmtheit spezifische Krankheitserreger gefunden worden.
Bei Influenza hat man diese nachgewiesen (Pfeiffer).
5. Bei Dengue sind Abortus und Frühgeburt höchst seltene Ausnahmen.
Bei Influenza sind sie wiederholt beobachtet worden.
Das Exanthem kann auch zur Verwechslung mit Masern und Scharlach füliren; bei diesen Krankheiten fehlen aber die plötzlich auftretenden Schmerzen.
Bei Gelenkrheumatismus fehlt das Exanthem. Überdies ist die Haut über den erkrankten Gelenken bei Rheumatismus angeschwollen, was bei Dengue nicht der Fall ist.
Die Symptome der Akrodynie gleichen auch in mancher Beziehung denen Dengue. Bei Akrodynie findet man aber mehr Formicationen und intensive, Nadelstichen ähnliche Schmerzen in Händen und Füßen und heftiges Brennen in den Fußsohlen. Dabei enstehen paretische Erscheinungen in den Extremitäten oder die Glieder befinden sich im Zustande eines tonischen Spasmus in anhaltender Flexion (Hirsch). Diese Symptome fehlen bei Dengue.
Prognose.
Die Prognose des Dengue-Fiebers ist sehr günstig, auch in Bezug auf völlige Genesung.
Behandlung und Prophylaxe.
Die Therapie ist eine symptomatische, da kein spezifisches Heilmittel bekannt ist. Gegen die Übelkeit befriedigte mich am besten Natriumkarbonat, bisweilen mit Aq. laurocer.; auch ein leichter Hautreiz in der Magengegend, z. B. Kölnisches Wasser mit Gewürznelken hilft dabei. Als Purgans ist Rheum anzuraten. Bei hoher Körpertemperatur ist eine Mixtur mit etwas Mineralsäure dienlich, während für Kinder dann ein lauwarmes Bad zu empfehlen ist. Die heftigen Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen werden durch Bromverbindungen oder durch einen Eisbeutel gemildert. Auch Antipyrin und verwandte Präparate sind von vortrefflicher Wirkung. Umschläge und Einreibungen mit Chloroform, den verschiedenen Linimenten und ähnliche Hautreize sind empfehlenswert. Das Jucken wird durch Einreibungen mit Öl, durch Waschungen mit kaltem Wasser oder mit einem kalten Infus von Lignum Quassiae gelindert. Die Schmerzen ; welche während der Rekonvalescenz Zurückbleiben, bekämpft man am besten durch Massage und Faradisation.
Die Diät bietet keine Schwierigkeiten. Solange die Krankheit besteht, ist der Appetit verschwunden; am 3. oder 4. Tag können flüssige Speisen gegeben werden. Während der Rekonvalescenz ist eine kräftige Nahrung zu geben und kann eine toni- sierende Behandlung erwünscht sein. Auch von Kalium jodatum oder von sali- cylsaurem Natron sah man gute Resultate (Stedman).
Als Prophylaxe können theoretisch Quarantänemaßregeln angezeigt erscheinen, weil die Krankheit durch Schiffe übertragen werden kann. Für eine Krankheit, die so wenig gefährlich ist, wird aber Quarantäne wohl niemals zur Anwendung kommen. Örtlich hat Isolierung der Kranken keinen Zweck.