Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
102
Einzelbild herunterladen
 

102

Dr. C. L. van der Burg.

Lymphdrüsen am Halse, in den Achseln und in den Leisten verbunden, bisweilen mit Parotitis und Speichelfluß; aber diese Symptome verschwinden in ein paar Tagen. Das Exanthem kann eine andere Form haben als das erste.

Schwäche, Verstopfung und Schlaflosigkeit bleiben meistens lange Zeit be­stehen. Bei Menschen, welche mehr als 50 Jahre alt sind, erscheinen die Gelenk - und Muskelschmerzen oft leicht bei kleinen Änderungen des Wetters.

Bei Kindern hat man im Aufang der Krankheit auch Konvulsionen beobachtet, Blutungen aus der Nase sind bei ihnen nicht selten.

Wie bei allen Eruptionskrankheiten tritt auch bei Dengue oft Blutung aus den Genitalien bei Frauen einige Stunden nach dem Beginn des Fiebers auf. Vielleicht handelt es sich um eine Menstruationsblutung, da ich bei vielen Frauen sah, daß der Eintritt der Periode durch die Erkrankung aufgeschoben war. Einen Einfluß auf eine bestehende Schwangerschaft konnte ich nicht konstatieren. Von einigen werde Angina. Pharyngitis, leichte Bronchitis, Schwellung der Lymphdrüsen als Komplika­tionen genannt, die ich aber zu den Symptomen rechne. Als wirkliche Komplika­tionen findet man Pleuritis, Keratitis (wovon ich einige Fälle sah), Iritis, Choreoiditis und bisweilen schwere andere Krankheiten, u. a. Myelitis disseminata (Kiewiet de Jonge).

Diagnose.

Die Diagnose kann nur in den zuerst vorkommenden Fällen schwierig sein, wiewohl das plötzliche Auftreten und der schnelle Verlauf anderen Eruptionsfiebern gegenüber deutliche Unterscheidungssymptome liefern. Am meisten ist Dengue der Influenza ähnlich, so daß einzelne Autoren beide Krankheiten für modifizierte Formen derselben Krankheit (Felkin, Oantlie), oder für identisch erklären (Hansen). Nach­dem ich die letztgenannte Krankheit in Europa gesehen habe, bin ich fest davon überzeugt, daß die beiden Krankheiten nicht dieselben sind.

Die wichtigsten U n t e r s c h i e d e z w i s c h e n D e n g u e u n d I n f 1 u e u z a sind:

1. Dengue kommt nur in tropischen und subtropischen Ländern vor; sie ist bereits selten in den hochgelegenen, also kühleren Orten, und verbreitet sich verhältnismäßig langsam von einem Ort zum anderen. Eine Epidemie dauert meistens einige Monate. Die Sterblichkeit ist sehr gering.

Influenza kommt in allen Zonen vor und tritt meistens in der kalten Jahres­zeit auf; sie breitet sich sehr schnell nach allen Richtungen aus. Eine Epidemie dauert meistens viele Monate. Die Mortalität wird durch die vielen Komplikationen mit akuten Krankheiten der Atmungsorgane sehr gesteigert.

2. Bei Dengue sind die Schmerzen so groß, daß die Kranken das Bett hüten müssen; die prodromalen Erscheinungen sind sehr gering oder fehlen. Kom­plikation mit Entzündung der Atmungsorgane kommt so gut wie niemals vor. Ob­gleich gastrische Symptome in den Vordergrund treten, finden wir höchst selten Durchfall, meistens Verstopfung. Das polymorphe Exanthem ist charakteristisch; niemals entsteht Herpes. Die Rekonvalescenz dauert sehr lange.

Bei Influenza sieht man viele ambulante Kranke, welche unzweifelhaft zur schnellen Verbreitung der Krankheit beitragen; vielfach geht ein Krankheitsgefühl dem Ausbruche vorher. Komplikationen mit Pneumonie, Bronchitis und Pleuritis sind häutig, Enteritis mit Blutungen, heftige Diarrhöe und Erbrechen nicht un­gewöhnlich. Bisweilen entstehen hyperämische rote Flecken im Gesicht, aber ein eigentliches Exanthem ist eine Ausnahme; Herpes ist dann und wann gesehen worden (Jaccoud), auch ich bekam ihn zu Gesicht. Die Rekonvalescenz verläuft meistens rasch.