Das Dengue-Fieber.
9Ö
zu sein. Die Kontagiosität ist aber eine andere als die bei Pocken, Masern, epidemischer Influenza und dergleichen, da das Dengue-Fieber nur in tropischen Ländern oder im Sommer in subtropischen auftritt. Es müssen also unbekannte exogene Umstände bestehen, die das Auftreten möglich machen. Darum betrachten viele Dengue als eine kontagiös-miasmatische Krankheit, wobei dem Wort „miasmatisch“ eine ausgedehntere Bedeutung gegeben wird. Sicher ist nur, daß eine hohe Lufttemperatur zur Entstehung einer Dengue - Epidemie nötig ist. Bei dem Auftreten in subtropischen oder kühleren Ländern, wie 1780 in Philadelphia und 1889 in Konstantinopel, war der Sommer außerordentlich heiß. Vauvray behauptet, daß die Krankheit als „fievre des dattes“ jedes Jahr in Port-Said vorkomme. Einige betrachten sie als einheimisch, während andere annehmen, daß sie in Vorderindien zuerst entstanden sei. Sie erscheint am meisten und heftigsten an den Küstenplätzen und verbreitet sich von den Seehäfen aus gewöhnlich an den Flüssen und ausnahmsweise an den Eisenbahnen entlang. Auf Schiffen hat man Dengue beobachtet, ohne die Infektionsquelle ermitteln zu können (Fouque).
Man will auch Dengue bei Tieren gesehen haben. Diese Angaben begegnen jedoch berechtigten Zweifeln.
Verlauf und Krauklieitsersclieiiiungen.
Eine Periode der Inkubation ist nicht deutlich wahrzunehmen. Die Prodromalerscheinungen, wie Abgeschlagen heit, Schmerz, Steifigkeit, gastrische Störungen, Frösteln, Schwere der Augenlider usw., sind zu unbestimmt, um Wert zu haben. Man rechnet 1—3 Tage als Inkubationszeit.
Pulle beobachtete 1904 eine Dengue-Epidemie auf dem Wachtschiff in Surabaja (Java). Da die Erkrankungen nur auf diesem Schiff vorkamen, konnte er feststellen, wie lange es dauerte, bis sich die Krankheit bei Besuchern dieses Schiffes zeigte. Die kürzeste Inkubationszeit war 10 Stunden und die längste 39 Tage.
Wiewohl die Symptome des Dengue-Fiebers nicht immer ganz dieselben sind, so kann doch eine Beschreibung des typischen Bildes und des regelmäßigen Verlaufs gegeben werden; in den verschiedenen Epidemien werden aber Abweichungen von demselben wahrgenommen.
Dengue tritt fast immer plötzlich auf und beginnt mit Schmerz in einem oder mehreren Gelenken. Bylon erzählt von sich selbst, daß er in einem Gespräch plötzlich einen nagenden Schmerz in der rechten Hand empfand, welche sich über die anderen Gelenke ausbreitete, und daß er eine Stunde später mit Fieber im Bette lag. Pruner scheint die Erzählungen über die Epidemie von 1779 in Kairo für übertrieben zu halten, wonach „ganze Familien dadurch auf das Krankenlager geworfen wurden, und bei dieser Gelegenheit Diebe in die Häuser einbrachen, jedoch nicht selten während der Ausführung ihrer üblen Absichten plötzlich von der Kniekrankheit ergriffen und an Ort und Stelle zu bleiben gezwungen wurden.“ Das ist jedoch sehr gut möglich. Ich sah eine Dame, die gerade beim Plätten war und plötzlich solche heftige Schmerzen in den Armen bekam, daß sie wie erstarrt stehen blieb; man mußte sie zu Bette bringen, da sie gleich darauf nicht mehr gehen konnte.
Meistens bekommt der Arzt diesen Anfang nicht zu Gesicht. Die Schmerzen fangen bald in dem einen, bald in einem anderen Gelenke an, vorzüglich an Stellen, wo sich Sehnen ansetzen; auch das Genick und der Rücken sind schmerzhaft und die Haltung wird steif, weil jede Bewegung Schmerz verursacht. Die Arme werden gestreckt gehalten, der Kranke macht, wenn er noch gehen kann, drehende Bewegungen
7*