Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
98
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Dr. C. L. van der Burg.

Pathologische Anatomie.

Bei den wenigen Sektionen, welche gemacht wurden, war das Ergebnis kein erhebliches: einige seröse Ergüsse im subkutanen Bindegewebe, seröse Trans­sudation in das Gehirn oder Pericardiuin, Erweichung des Herzfleisches, leichte Vermehrung des Serums in den Gelenken. Einige Autoren wollen eine gewisse Vermehrung der roten Blutkörperchen gesehen haben; genauer aber sind die Be­obachtungen von Kiewikt de Joxge, der eine Verminderung der Menge der Leukocyten in der peripheren Zirkulation fand, ln IG Untersuchungen schwankte die Zahl von 840 bis 7700 und war durchschnittlich 8800. Das Verhältnis von mononukleären, polynukleären und eosinophilen Zellen war in G Fällen sehr wech­selnd; es scheint, daß die eosinophilen Zellen vermindert sind, denn er fand drei­mal O, zweimal l°o, zweimal 2°o und einmal 3%.

Ätiologie.

Die Ursache des Denguefiebers ist unbekannt. Man hat spezifische Mikroorganis­men noch nicht mit Gewißheit nachweisen können. Die letzten Untersuchungen von Kiewiet de Joxge und de Haax auf Java lieferten keine Resultate. Nach ihren schrift­lichen Mitteilungen wurden durch eine große Anzahl Impfungen mit Blut auf ver­schiedenen Kulturboden keine Kulturen erhalten. Graham fand in den roten Blut­körperchen Hämatozoen, welche den Parasiten des Texasfiebers bei Rindern gleichen, und glaubt, daß Culexarten die Krankheit überbringen können. Seine Wahrnehmung bedarf aber noch der Bestätigung. Vielleicht sind die von Graham gesehenen Mikro­organismen dieselben, welche Eberle beobachtet hat. Dieser sah im Blutplasma kleine runde Parasiten, welche sehr beweglich sind, sich an die roten Blutkörperchen haften und in diese eindringen. Nach etwa IP 2 Stunden sieht man im Blutkörper­chen eine leicht violette Verfärbung, die ungefähr die Hälfte des Körperchen ein­nimmt, und einige Stunden später dunkle Körperchen darin mit einem tiefen Focus und andere blässere mit einem hellen Focus. In jedem Blutkörperchen findet man 1 bis 10 dieser Körperchen. Sie sind vielleicht Sporen, da die Konturen der Blutkörperchen verschwinden und die kleinen Körperchen im Plasma frei werden. Sie haben deutliche Konturen und ein blaß-blaues Zentrum. Wenn das Fieber ab­nimmt, sieht man, daß viele dieser Körperchen von den Leukozyten aufgenommen werden und andere noch in den roten Blutkörperchen eindringen. Das letztere ist nicht mehr der Fall, wenn das Fieber aufhört. Eberle nennt diese Mikroorganis­menPlasmoeba. Sie sind kleiner als die Malariaparasiten und bilden niemals Halbmonde. Er vermutet, daß die Krankheit durch eine Mücke, Culex fagitans, übertragen wird.

Die Krankheit ist ansteckend. Während dies früher beweifelt wurde, haben wir jetzt genügende Beobachtungen. Sehr deutlich zeigte sich die Kontagiosität in der Epidemie, welche 1870 in Zanzibar anfing, von wo die Krankheit 1871 durch Schiffe nach Aden übertragen wurde. Ein Schiff (Dalhousie genannt) hatte Denguekranke an Bord und ging nach Bombay, wo die Krankheit sofort nach Ankunft des Schiffes aus­brach. Man konnte die Verbreitung über Vorderindien durch den Verkehr über Land oder durch Schiffe regelmäßig verfolgen. Von der Übertragung durch gesunde Per­sonen (Karssen) gibt Kiewiet de Joxge deutliche Beispiele. Die Krankheit wird wahrscheinlich vielfach durch Ärzte übertragen, obwohl diese selbst nicht oft erkranken. Auch scheint die Verschleppung durch leblose Gegenstände, wie Kleider, möglich