Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
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Dr. Adolf Eysell.

Um Stechmücken zu infizieren, läßt man sie zu geeigneter Zeit das Blut von Parasitenträgern saugen.

Die ausgehungerte Mücke wird am einfachsten in einem weiten Reagenzglase ein­geschlossen auf eine passende Hautstelle des Kranken gebracht und hier einige Zeit ruhig gehalten. In der Mehrzahl der Fälle wird das Tier sofort sein Stilettbündel ein­senken. Nach 70 bis 110 Sekunden hat sich die Mücke vollgesogen, zieht den Stachel aus der Wunde und fällt träge in den Fundus des umgekehrten Röhrchens zurück.

Zum Zwecke der Mückeninfektion sind auch verschiedene Käfige angegeben worden. Durch eine runde Öffnung bringt der Kranke seinen Arin in das Innere, der hier für gewöhnlich ebenfalls sofort von den Stechmücken angenommen wird.

Derartig gefütterte Mücken müssen dann bei Temperaturen von 2530° ge­halten werden.

Die Entwicklung der Larve von Filaria Bauerofti in der Stechmücke (in diesem Falle dem Zwischen wärt) ist von Looss im ersten Bande dieses Werkes Seite 160 bis 163 so anschaulich geschildert w r orden, daß ich hier nur auf seine Darstellung zu verweisen brauche.

Die Infektion des Menschen mit Filarienlarven erfolgt nach Angabe aller Autoren während des Stechens der Mücke, aber über das Wie bestehen noch heute die größten Meinungsverschiedenheiten.

Wenn nach einigen Wochen die in der Mücke herangereiften Filarienlarven aus den Muskeln in das Blut zurückgewandert sind, verbreiten sie sich im Cölom nach allen Richtungen; sie gelangen so auch in das Labium, die Stiletbündelscheide, kriechen aus der beim Saugakte stark geknickten und unter den gegebenen Verhältnissen leicht berstenden Unterlippe heraus und dringen dann durch die Wunde in den Körper des definitiven Wirtes, des Menschen ein.

So erklären sich Grassi und Nois und Annett und Dütton den Vorgang der In­fektion, nur nehmen erstere an, daß das Platzen des Labiums am Scheitel des Knickungs­winkels erfolge, während die letzteren die dünne Haut an der Basis der Labellen ein­reißen lassen.

Daß die auf die Haut des Menschen gebrachten Würmchen vielleicht auch durch die Haarfollikel in unseren Körper gelangen können, wird durch die schönen Beobach­tungen von Looss an Ankylostomumlarven (s. Bd. I d. W., S. 130) sehr wahrscheinlich gemacht.

Die dritte Erklärung des Infektionsmodus wurde von Sambon gegeben. Er nimmt an, daß die Würmchen die Ösophaguswand durchbohren, den Kanal des Labrum (s. Fig. 4 S.R.) durchkriechen und so in das Blut des Menschen einwandern.

Nach den Beobachtungen von Schaudinn findet bekanntlich eine Entleerung des Vorratsmageninhaltes vor Beginn des Saugaktes regelmäßig statt; es liegt, meine ich. nun nichts näher, als anzunehmen, daß die schon früher in den Vorratsmagen direkt ein­gewanderten oder auf dem Wege der Flugblasen aus der Brustmuskulatur in den Ösophagus gelangten Filarialarven mit dem Divertikelinhalte durch den Saugkanal (s. Fig. 4 S.R.) in die Blutmasse des Menschen hinübergedrückt werden.

Der Lebenslauf des Plasmodium ist heute in allen seinen Phasen genau gekannt und dürfte durch das an gefügte Schema am einfachsten erläutert werden.

Schema des Zeugungskreises

(Generationswechsel mit Wirtswechsel) des Plasmodium praecox Grassi und

Feletti nach den Forschungsergebnissen von Grassi und Schaudinn.

1, Eindringen des Sichelkeimes (Sporozoit) in eine rote Blutzelle. 2, ausge­wachsener Schizont. 3, beginnende Teilung (Schizogonie). 4, Freiwerden der Merozoite, die größtenteils über 1 den Kreislauf der ungeschlechtlichen Vermeil-