Die Stechmücken.
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Regen- oder Überschwemmungswasser zurückzuhalten und in diesem die zur Ernährung der Larve nötige Pflanzen- und Tierwelt entstehen zu lassen. Schwache Salzlösungen (Sole bis zu 1%) und Brackwasser ermöglichen gewissen Arten eine rasche und normale Entwicklung, während reines Seewasser eine solche immer ausschließt. Die Larven können selbst in unseren Breiten unter gewissen Umständen die ungünstige Jahreszeit überdauern. Sie verfallen dann wie die Fische in einen winterschlafähnlichen Zustand, währenddessen eine Nahrungsaufnahme nicht stattfindet.
Ob eine Wasseransammlung Stechmückenlarven enthält, gewahrt ein geübtes Auge sofort an der leichten Einsenkung (s. Fig. 11) des Wasserspiegels, die jedesmal da entsteht, wo das Tier sich mit seinem Atmungsfortsatze an der Oberfläche aufhängt, Die Larven selbst sind gewöhnlich nur dann zu sehen, wenn sie sich von hellen am Grunde liegenden Gegenständen abheben. 1 )
Die Eier vieler Arten können niedere Temperaturen lange Zeit überstehen, sogar Einschluß in Eis tötet sie nicht, 2 ) Monatelanges Verweilen an trockenen Orten ertragen die hartschaligen Eier vieler Culicinen. Die Larven und Puppen bleiben im feuchten Boden ausgetrockneter Tümpel tagelang am Leben. Temperaturen über 45° töten nach mehrerern Stunden die Stechmücken und ihre Brut,
Systematik.
Nachdem als erste Hooke, Swammerdam und Reaumur die gemeine Stechmücke (Culex pipiens) beobachtet und ihre Lebensgewohnheiten eingebend studiert hatten, lieferte Kleemann eine genauere Beschreibung derselben und ergänzte sie durch staunenswert naturwahre Bilder auf zwei Kupfertafeln des bekannten RösEL’schen W.erkes.
Linxe stellte im Jahre 1761 die Gattung Culex auf und gab die charakteristischen Merkmale von Culex pipiens und bifurcatus. 3 )
Sechzig Jahre später (1818) unterscheidet Meigen, der Vater der Dipterologie die drei Gattungen Culex, Anopheles und Aedes.
Im Jahre 1827 kreierte Robineau-Desvoidy weitere drei Genera, von denen, Megarhinus das best charakterisierte ist.
In den letzten Dezennien haben Arribalzaga, Ficalbi, Giles und namentlich Theobald sich große Verdienste um Beschreibung und Einteilung der Stechmücken erworben.
Die alten Gattungen Culex, Anopheles, Aedes und Megarhinus wurden zu Unterfamilien erhoben, neue Unterfamilien und viele neue Genera kamen hinzu.
Bis heute haben nur die Unterfamilien der Anophelinae und C-ulicinae eine praktische Bedeutung für den Arzt gewonnen.
Eine genaue Kenntnis aller Gattungen und Arten der Anophelinen und Culicinen ist vom praktischen Gesichtspunkte aus absolut unnötig. Sie würde nur dann unerläßlich sein, wenn um ein prägnantes Beispiel zu wählen in Italien Tropica ausschließlich durch Anoph. maculipennis, Tertiana ausschließlich von Anoph. superpictus und Quartana ausschließlich von Anoph. speudopictus übertragen werden könnte. Da aber jede dieser
*) Bin ich im Zweifel, so versenke ich ein quadratisches Stück weißen Löschkartons von 10 cm Seitenlänge. Die geflohenen Larven und Puppen kehren, von Lufthunger getrieben, bald an die Oberfläche zurück und sind nun über der 100 qcm großen Papierfläche sehr leicht zu erkennen und zu zählen.
2 ) Überwinternde Weibchen gewisser Arten, die wir regelmäßig in frostfreien Kellern finden, können unter diesen Verhältnissen Temperaturen von — 3 0 für mehrere Tage aushalten, ohne Schaden zu nehmen.
3 ) Ob sein Culex bifurcatus Anopheles bifurcatus oder Anopheles maculipennis war, läßt sich heute mit Sicherheit nicht mehr entscheiden.