Nahrung schnell das frühere Körpergewicht znriiekgewonnen wird, wird im allgemeinen eine relativ gute, dort, wo das Umgekehrte der Fall ist, eine erheblich verminderte Leistungsfähigkeit der Verdauung und Resorption vorauszusetzen sein. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch Ausnutzungsversuche in dieser Richtung wertvolle Anhaltspunkte zu Tage bringen können, indem bloße Fettbestimmungen der Fäces bei bestimmter Diät, wenn sie erheblich vom Normalen altweichende Zahlen ergeben, ebenfalls zur Verbesserung unserer Einsicht bezüglich der Schwere des Falles geeignet sind.
Von einzelnen Autoren wird auch dem Lebensalter eine gewisse Bedeutung zuerkannt. Daß dasselbe bei Aphthae tropicae größere Bedeutung habe als bei anderen Krankheiten, kann ich jedoch nicht zugeben. Alles hängt von der Schwere des Falles ab. Junge Personen können an der Krankheit zugrunde gehen, alte hingegen Jahrzehnte lang sich eines vorzüglichen Ernährungszustandes erfreuen, indem nur leichte Recidive sie dann und wann an das Fortbestehen ihrer Krankheit erinnern.
Diagnose.
Weil wir in den einleitenden Bemerkungen zur Charakterisierung der Aphthae tropicae als erste Bedingung die Anwesenheit typischer Zungen erschein ungen vorausgesetzt haben, so sollen diese auch hier in erster Linie berücksichtigt werden.
Dieselben stellen wirklich ein Symptom von nahezu pathognomischer Bedeutung dar, weil, so weit mir bekannt, ihr Vorkommen bis jetzt bei keiner anderen Krankheit beschrieben worden ist und auch von mir nur einmal bei einer im gemäßigten Klima entstandenen Darmkrankheit eine ähnliche Zungenaffektion beobachtet wurde. Die einzige Zungenkrankheit, womit sie verwechselt werden könnte, ist. die zuerst von Möller (1801), später von Michelsox (1890) als selten vorkommend beschriebene Glossitis superficialis, welche Kraus in seinem Handbuch (NoTiiXAGEi/sche Sammlung) als Glossitis superficialis chronica circumscripta erythematosa bespricht. Die von den zuerst genannten Autoren gegebene Beschreibung stimmt vollständig mit dem bei Aphthae tropicae beobachteten Bilde überein, mit dem Unterschied nur, daß beide ausdrücklich darauf hinweisen, daß die hyperämisehen und entzündeten Partien ,,in der einmal erlangten Größe und Form meist sehr hartnäckig“ fortbestehen (Möller); „sich hinsichtlich ihrer Form und Größe im Verlaufe von Wochen ja von Monaten nur sehr allmählich ändern“ (Michelsox), während bei Aphthae tropicae, wie erwähnt, die Affektion einen ausgeprägt flüchtigen Chaiakter trägt.
Von den bei anderen Krankheiten beobachteten Zungenaffektionen fallen nur noch die bei Pellagra und vielleicht auch die gelegentlich bei pernieiöser Anämie vorkommenden (Ewald) ins Gewicht. Der Beschreibung nach dürften besonders erstere im Frühstadium denen bei Aphthae tropicae ähneln, doch fehlt es mir an auf eigener Ansicht begründeter Erfahrung, um hierüber ein bestimmtes Urteil abzugeben.
Fehlen Erscheinungen an der Zunge und weist auch die Anamnese nicht auf vorheriges Bestehen derselben hin, so wird nur das Vorkommen des Fett Stuhls den Verdacht auf eine nicht vollständig ausgebildete Form der Krankheit wachrufen können. Eventuell vorkommende Reizerscheinungen seitens des (»sophagus und Magens sind weiter dazu geeignet, jenen Verdacht näher zu begründen. Fehlen diese jedoch ebenfalls, so wird man die Diagnose meistens in suspenso lassen müssen und darauf fahnden, ob eine andere Form von primärer Diarrhoea alba vorliegt oder Krankheiten wie Carcinoma ventriculi mit sekundärer Dünndarmatrophie, Intestinaltuberkulose, pernieiöse Anämie usw. für die Entstehung des Fett-