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A. VAN DEIl SCTIEEH.
Dünndarm lokalisiert. Im Dickdarm fand man nur einige geschwollene Follikel mit umgebender Hyperämie, keine Ulcerationen; dagegen wurden im Ileum eine Reihe von im ganzen 16 Ulcera gefunden. Sie [nahmen an Größe und Tiefe gegen die Vulv. Bauhini zu. Sie hatten in den PEYEißschen Plaques ihren Sitz oder hatten diese (nach unten) völlig destruiert und ersetzt, In der Verteilung der Ulcerationen und beim ersten Anblick erinnerten sie sehr an die Ulcerationen, die man beim Typhus trifft, verschiedene Momente zeigten aber, daß es sich um sehr chronische Ulcerationen handelte, die besonders nach oben zur Heilung neigten und an einigen Stellen sogar ganz geheilt schienen, so daß man sie korrekter geheilte Substanzverluste nennen könnte. Die unten im Ileum sitzenden waren am größten und tiefsten-, gingen in die Muskularis hinein; mindestens eine von ihnen zeigte Perforation in das Peritoneum. Eine Atrophie der Darmwand sah man nirgends.
Die mikroskopische Untersuchung zeigte eine diffuse Entzündung der Schleimhaut in der Länge des ganzen Darmes. Sie war im Dickdarm stärker ausgesprochen als im Dünndarm, am stärksten im Coecum und Colon ascendens. Häufig erstreckten sich die Rundzellenanhäufungen in die Submuoosa hinein. Die Drüsen und das Oberflächenepithel waren überall normal; man sah keine cystischen Erweiterungen der Drüsen, auch die tieferen Schichten der Darmwand wiesen normale Verhältnisse auf.
Im Dünndarm sah man ebenfalls erheblichere Rundzelleninfiltration als normal, besonders in dem unteren Teil des Ileum, weniger im Jejunum. Sie war nicht so erheblich als im Colon. Die Struktur des Darmes war übrigens ganz normal, abgesehen von den Ulcerationen. Auch die tieferen Schichten waren normal wie im Colon.
Das Duodenum zeigte wieder stärkere Entzündung als das Jejunum. Dieselbe setzte sich in den Magen fort und war hier recht diffus.
Pankreas und Leber waren normal.
Wenngleich wir diesen Fall hier etwas ausführlich wiedergegeben haben, weil, wie oben betont, er der einzige einwandsfrei untersuchte ist und die Spärlichkeit des vorliegenden Materials die Mitteilung jeder neuen Beobachtung willkommen erscheinen läßt, so dürfte er jedoch nicht als ein Paradigma der gewöhnlich vorkommenden Formen der Diarrhöen alba bezeichnet werden. Erstens ist der klinische Verlauf des Falls, der kurzen Beobachtungsdauer wegen, nicht hinreichend bekannt, um die unbedingte Annahme der Identität mit dieser Krankheit zu gestatten. Die Beobachtung im Terminalstadium gibt nur unverläßliche Anhaltspunkte dazu. Desgleichen aber weichen auch die pathologisch-anatomischen Befunde, namentlich im Dünndarm, hier nicht unerheblich von den sonst konstatierten ab, weil die tieferen Schichten hier normal oder wenig affixiert befunden wurden, und die Ulcerationen, wie der Autor selbst hervorhebt, eine ganz ungewöhnliche, sonst nirgends erwähnte Lokalisation zeigten. Auch die Perforation scheint, für so w^eit bekannt, bei dieser Krankheit ein recht ungewöhnliches Ereignis zu sein. Es ist also nicht auszuschließen, daß die Ulceration eine zufällige, vom Grundleiden unabhängige Komplikation gewesen ist, welche den fatalen Verlauf der von der Entero-colitis herrührenden Krankheitsei’scheinungen beschleunigt hat. Immerhin wäre es sodann noch auffallend, daß die Entzündung stärker im Dickdarm als im Dünndarm ausgeprägt gewesen sei. Hoffentlich werden künftige, durch obige [Mitteilung angeregte Untersuchungen dazu beitragen, die dunklen Stellen in den pathologisch-anatomischen Erscheinungen dieser Krankheit zu beleuchten.
Ätiologie und Vorkommen.
Aphthae tropicae kommen sowohl bei in den Tropen eingewanderten Euro- p ä e r n als auch bei daselbst geborenen W e i ß e n (s o g. K r e o 1 e ' 'Mischlingen zwischen der weißen und farbigen Rasse vor.