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A. VAN
DER St'HEEK.
abhängig, fünf Backzähne hatte herausziehen lassen, jedoch ohne jeglichen Erfolg. Unter zweckmäßiger, wie bei Aphthae tropicae gebräuchlicher Behandlung verschwanden alle Beschwerden innerhalb kurzer Zeit.
Obgleich hiermit das Vorkommen von Sprue-ähnlichen Krankheiten in Europa erwiesen ist, so dürfte ihre Seltenheit doch zu gleicher Zeit als feststehend hervorgehoben werden. Etwas häutiger wird hier die Oiarrhoea alba beobachtet. Selbst behandelte ich zwei hier entstandene falle: auch in der Literatur fehlt es an diesbezüglichen Mitteilungen nicht. Neulich noch wurden aus der Klinik von vax Noordex drei Fälle beschrieben, welche völlig mit den in den Tropen beobachteten Formen übereinstimmen. Doch bleiben derartige balle immerhin Seltenheiten, welche nicht hindern werden, Aphthae tropicae und Diarrhoea alba wegen ihres häufigen Vorkommens in den Tropen ihre Stelle in der Liste der Tropenkrankheiten beibehalten zu lassen.
Pathologische Anatomie.
Uber die bei Aphthae tropicae vorkommenden pathologisch-anatomischen Veränderungen sind wir nur dürftig unterrichtet. Die spärlich in der Literatur zerstreuten Angaben beziehen sicli namentlich meistens auf die Veränderungen, welche bei der primären Diarrhoea alba überhaupt vorgefunden werden. Krankengeschichten werden fast immer vermißt und. wo sie ausnahmsweise mitgeteilt werden, sind sie nicht imstande, mit einwandsfreier Sicherheit die Entscheidung zu ermöglichen. ob wirklich ein Fall von Aphthae tropicae oder ein damit nahe verwandter Fall von Diarrhoea alba Vorgelegen hat.
Wir sind deshalb genötigt, hier unseren vorläufig eingenommenen dualistischen Standpunkt zu verlassen und hervorzuheben, daß die folgende Beschreibung sich sowohl auf die primäre Diarrhoea alba überhaupt als auf die Aphthae tropicae beziehen dürfte.
Alle Autoren stimmen darin überein, daß die Organe der an diesen Krankheiten Verstorbenen sehr atrophisch und anämisch sind. Veränderungen, welche man bei einer solchen, unter Erscheinungen von Marasmus endenden Krankheit kaum anders erwarten kann.
Von den während des Lebens konstatierten entzündlichen Erscheinungen der Schleimhaut der Zunge und der übrigen Mundhöhle ist bei der Obduktion nichts mehr wahrnehmbar. Das Fett ist überall verschwunden. Von den inneren < h'ganen und Geweben fallen namentlich Herz, Leber und Al i 1 z durch ihre Abnahme an Größe, das Pankreas mitunter durch Erscheinungen von Schrumpfung auf. Ausnahmsweise nur wird das gelegentliche Vorkommen von Lebervergrößerung erwähnt (Fayuee). Die Mesenterialdrüsen sind meistens verkleinert, selten vergrößert. Die Wand des Darmtraktus, besonders die des lleum, ist ungemein dünn und durchscheinend. DieMucosa erscheint glatt und atrophisch: die Darmzotten sind nahezu verschwunden; die Innenfläche des Darmes sieht daher wie rasiert aus (Laudei: Biuxtox). Hier und da in der Literatur begegnet man Angaben filier bestehende amyloide Degeneration (Goodeve, Aitkex) 1 ). Im untersten Teil des lleum kommen bisweilen follikuläre Idcera vor. welche die meisten Autoren jedoch als eine sekundäre Erscheinung zu deuten geneigt sind.
Wo m i k r o s k o p i s c h e l ntersuclumgsresultate mitgeteilt worden sind, waren sie geeignet, die auf die makroskopische Besichtigung gestützte Annahme einer Atrophie, besonders des Dünndarms, zu bestätigen (Boxxet, Kelsch,
] ) Zitiert nach Fayrer.