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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
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Das Mittelaltcr.

Nationalitätenkämpfe geworden, und die kolonisierende Kulturarbeit, die beiden Teilen so viel Segen gebracht hat, droht entgegengesetzte Wirkungen hervorzurufen. Sie wird trotzdem stets eine der anziehendsten und folgen­reichsten Leistungen des europäischen Mittelalters bleiben.

20. Westeuropa. !

Von den westeuropäischen Völkern waren im Mittel­alter die Franzosen für kolonisierende Arbeit am un­günstigsten gestellt. Sie waren umgeben von Völkern gleich hoher Kultur, die auch staatlich genügend gefestigt waren, um eroberndes Vordringen unmöglich zu machen. ! Am besten hatten es noch die Südfranzosen. Sie konnten teilnehmen an den Bemühungen der Christen Spaniens, ihren Boden von den eingedrungenen Mauren zu be­freien, und haben es kräftig getan. Französische Dynasten­familien und Lehnsträger sind nach Spanien und Portugal verpflanzt worden, und in Catalvnien hat eine nicht zu unterschätzende Einwanderung von Provenzalen statt- ^ gefunden, auf der die gegenwärtige Verschiedenheit der Provinz vom übrigen Spanien hauptsächlich beruht. Aber damit war dem auch in Frankreich sich mächtig regenden ' Expansionsbedürfnis noch nicht Genüge geschehen. Es hat einen stärkeren, volleren Ausdruck gefunden in den Kreuz­zügen, die recht eigentlich als eine Tat französischen Geistes anzusehen sind. Der religiöse Gedanke be­mächtigte sich des Wandertriebes und steckte der Unter­nehmungslust Ziele. Die Kreuzzüge brachen vor allem die Herrschaft der Muhamedaner auf dem westlichen Becken des Mittelmeeres, wo sie vom 8. bis zum 10. Jahr­hundert der Schrecken der Küsten gewesen waren. Pisaner und Gennesen, Aragonesen und Normannen befreiten und