Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
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Dr. K. Kuge.

Symptomatologie.

Die Amöbendysenterie kann, ebenso wie die Bazillenruhr, plötzlich unter Fieber mit Koliken und ausgesprochenem Allgemeinleiden oder langsam, schleichend und fieberlos unter der Form eines mit Verstopfung abwechselnden, gewöhnlichen Durch­falls auftreten. Manchmal geht Nasenbluten, dem Brechneigung oder Erbrechen folgen, voran. Auch hier ist, ebenso wie bei der Bazillenruhr, der allgemeine Be­fund wenig charakteristisch. Die Kranken sind blaß, abgemagert, unruhig infolge der zahlreichen Stuhlentleerungen, haben eine trockene und faltige Haut, eine feuchte, mehr oder weniger belegte Zunge, leiden an völligem Appetitmangel und klagen über ständige Leibschmerzen. Die Gegend des Colon descendens ist druckempfind­lich, die linke Seitenlage wegen Schmerzen unmöglich und der Leib manchmal etwas eingezogen. Kaiitulis hat über choleriforme Erscheinungen berichtet. Der Urin enthält viel Indikau

Das Charakteristische des Krankheitsbildes ist aber auch hier durch die Be­schaffenheit der Stühle und die Art ihrer Entleerung gegeben. Nach Councilman und Lafleur unterscheiden sich die plötzlich und schwer einsetzenden Fälle der Amöbenruhr von der Bazillenruhr insofern, als gleich in den ersten Tagen die An­zahl der Stuhlentleerungen am größten ist (15 pro die), der Stuhl selbst nur aus glasigem, außerordentlich zähem Schleim mit nur wenig Kotbeimischung be­steht, schon am 2. Tage eventuell rein blutig-schleimig ohne Kotbeimengung ist und erst von der 2. oder 3. Krankheitswoche ab sich wieder Kotbeimengungen zeigen. Der Stuhl wird auch hier immer nur in ganz geringen Mengen entleert, allerdings nicht immer unter Tenesmus (er fehlte in den Fällen von Councilman und Lafleur

in 75°'o) ist alkalisch oder neutral und

Fig. 7.

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nur selten sauer. Es hat einen süßlich faden Geruch.

Bei der mikroskopischen Untersuch­ung des glasigen Schleimes findet man zahlreiche rote Butkörperchen und Eiter­körperchen , zerfallende Epithelzellen, Leyden - Ciiarcot s c h e Kristalle 1 ) und Amöben. Außerdem hat Dock darauf aufmerksam gemacht, daß im Stuhl zahl­reiche eosinophile Zellen Vorkommen und daß sie auch im Blute zu 10 % ent­halten sind.

Mährend nun bei der Bazillenruhr im Durchschnitt bei den leichteren und mittelschweren Fällen schon am Ende der 1., spätestens der 2. Kraukheitswoche eine ausgesprochene Neigung der Heilung sich bemerkbar macht, neigt die Amöben­ruhr zum Chronisch werden. Der weitere Verlauf gestaltet sich gewöhnlich so, daß die Stühle ihre dysenterische Beschaffenheit verlieren, erst breiig, dann geformt werden, fast gar keine oder nur ganz geringe Beimengungen von Blut und Schleim enthalten und damit ein Anfang zur Heilung gemacht zu sein scheint. Indes schon

Entamoeba histolytica neben Leyden- CHARCOTschen Kristallen im Stuhl. Gez. vom Verf.

) Doch darf man. aus dem Vorhandensein der LEYDEN-CuARCOTschen Kristalle nicht auf das Bestehen oder Überstellen von Amöbenruhr schließen. Denn Leyden CHARCOTsche Kristalle finden sich z. B. auch bei Ankylostomiasis.