Amöbenruhr.
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Trotz- und alledem muß schlechtes Wasser als die wahrscheinlichste Infektionsquelle für die Amöbenruhr hingestellt werden. Mit einem gewissen Vorbehalt kann man für diese Annahme die von Musgrave und Clegg in Manila an- gestellten Versuche verwerten. Die beiden genannten Autoren unterscheiden zwar die harmlose Entamoeba coli nicht von der Entamoeba histolytica, geben aber an, daß es ihnen gelang durch Verfütterung von Amöbenkulturen, die aus Wasser gezüchtet waren, in 3 Fällen klinisch und anatomisch nachgewiesene Amöbenruhr zu erzeugen.
Aber auch durch Kontaktinfektion ist die Amöbenruhr übertragbar. So berichtet z. B. Dopter (La Presse Med. 1904, p. 705), daß drei Soldaten, die Frankreich nie verlassen hatten, aber mit Amöbenruhrkranken zusammen in einem Zimmer gelegen oder dieses Zimmer kurz nach dem Weggehen der Kranken bezogen hatten, 3—4 Wochen später an Amöbenruhr erkrankten. Da sowohl bei den Ansteckenden als auch bei den Angesteckten Ruhramöben nachgewiesen wurden und die endemische Amöbenruhr in Frankreich eine ebenso seltene Krankheit ist als in Deutschland, so ist der Schluß berechtigt, daß hier die Ansteckung durch Kontaktinfektion erfolgte.
Noch möchte Verf. zum Schluß auf eine Übertragungsweise der Amöbenruhr aufmerksam machen, auf die schon Gotschlich hingewiesen hat und die durch die Laboratoriumsversuche des Verf. eine weitere Stütze gefunden hat. Verf. fand nämlich, daß mit Ruhramöben infizierte Katzen nach Überstehen einer schweren Ruhr, die etwa 3 Wochen dauerte, Rückfälle bekamen und die Krankheit bei ihnen chronisch wurde (5 Monate Dauer und mehr). Die Tiere waren wochenlang scheinbar gesund. Dann entleerten sie plötzlich wieder typische Ruhrstühle und zwar solche, die Dauerformen enthielten. Wenn nun auch nach diesen Beobachtungen den Katzen bei der Übertragung der Amöbenruhr nicht eine Rolle zugeschrieben werden kann, wie etwa den Ratten bei der Übertragung der Pest, so möchte ich doch eine Übertragungsmöglichkeit der Amöbenruhr durch Katzen nicht von der Hand weisen.
Pathologische Anatomie.
Die Veränderungen, die die Amöbenruhr hervorruft, finden sich ebenso wie diejenigen der Bazillenruhr im Dickdarm. Es besteht jedoch ein Unterschied in bezug auf die Verbreitung. Die Amöbenruhr bleibt stets auf den Dickdarm beschränkt. Sie überschreitet niemals die BAUHiN’sche Klappe. Hier erscheint die Erkrankung wie abgeschnitten. Es ist wiederholt beobachtet worden, daß sich noch auf der dem Dickdarm zugekehrten Fläche der BAUHiN’schen Klappe dysenterische Geschwüre in Menge fanden, während die gegen den Dünndarm gerichtete Fläche der Klappe frei davon war. Ein Lieblingsort für die Ansiedlung der Amöben ist das Cöcum und der Wurmfortsatz. Namentlich in leicht verlaufenden Fällen, die während des Lebens nicht als Ruhr erkannt worden sind, werden oft, wenn der Kranke irgend einer hinzutretenden Krankheit oder Komplikation erlag, nur vereinzelte Geschwüre im Blinddarm gefunden, während der übrige Dickdarm frei davon ist. Musgrave und Clegg fanden bei 100 Sektionen den Wurmfortsatz ldünal erkrankt.
Die Erkrankung beginnt bei der Amöbenruhr makroskopisch mit kleinen, roten, stecknadelkopfgroßen Flecken, die ein gelbliches Centrum und eine scharfe rote Außenlinie haben. Diese roten Flecken, zwischen denen sich die gesunde Schleimhaut findet, werden zu Geschwüren.
Es erkranken also vereinzelte, scharf umschriebene Bezirke. Weiterhin breitet