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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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292 0. Die deutschen Schutzgebiete in der Südsee.

Kauens geschlossen gehaltenen Lippen sich öffnen, ein breiiger Kloß von über Walnußgröße in die untergehaltene Hand und von dieser in die Schüssel fällt. Sobald eine genügende Anzahl solcher Klöße beisammen ist, waschen die Mädchen sich- wieder Mund und Hände, den Mund jedenfalls, um den beißend bittern Geschmack der Wurzel einigermaßen zu beseitigen, und nun beginnt die in der Mitte sitzende, aus dem Brei das' Getränk zu bereiten. Nachdem einige Kokosnußschalen Wasser dazugegossen, wird das Ganze mit den Händen solange durchgearbeitet, bis eine vollkommene Vermischung erreicht ist und das Getränk eine hellgraue Farbe ange­nommen hat. Dann wird ein Bündel zusammengereihter Baststreifen zur Hand genommen und mit diesem, ähnlich wie mit einem Schwamm, die Flüssigkeit in der Weise durchgeseiht, daß die Baststreifen an beiden Enden gefaßt, vorsichtig durch dieselbe gezogen, dann zusammengelegt und ausgerungen werden, und zwar dies letztere mit einer ganz eigem tümlich unnachahmlichen Hand- und Armbewegung. Nach dem Ausringen wird das Bastbündel mit einigen kräftigen Schlägen ausgeschüttelt, um die darin zurückgebliebenen kleinen festen Bestandteile zu beseitigen, und diese Manipulation wird so oft wiederholt, bis sich keine Rückstände mehr zeigen. Ist dies erreicht, dann ist der Trank, welcher in Samoa für die größte Delikatesse gehalten wird, fertig.

Die eßbaren Früchte Samoas.

Ehe ich auf die verschiedenen Kochrezepte selbst zu sprechen komme, möchte ich zuvor noch der Früchte Erwähnung tun, deren Anpflanzung schon erwähnt wurde. Im Vordergründe steht die Kokosnuß. In noch nicht überreifem Zustande besteht sie aus dem Fruchtwasser, gewöhnlich Kokosmilch genannt, welches Wort ich jedoch absichtlich vermeide, erstens weil es nämlich gar nicht wie Milch aussieht, sondern höchstens wie milchig getrübtes Wasser, während der aus dem Kokoskern ausgepreßte Saft genau so weiß wie Milch aussieht. Diesen nenne ich daher aus selbem Grunde Kokoskernsaft, welcher so dargestellt wird, daß man den die reife Nuß innen auskleidenden, ca. 1 ora dicken harten Kern klein schabt und dann aus dem Geschabsel den Saft mit dem Seiher auspreßt. Dieser Kokoskernsaft bildet infolge seines reichen öligen Gehaltes die Grundlage der meisten Speisen, und ist am besten unserer Butter oder dem Schmalz zu vergleichen. Die Kokosnüsse werden indes häufig auch in jüngerem Zustande angewandt; sie heißen sehr jung Mu'amu'a, halbreif Mamata, wenn sie von den Bäumen fallen Matali oder Popo, letzteres wenn der Kern dick und fest ist, während derselbe im halbreifen Zustande nur sehr dünn und mit dem Nagel abkratzbar ist. In diesem

i) A. Craemer:Die Sainoainseln", Bd. II, S. 144. Mit gütiger Er­laubnis der E. Schweizerbartschen Verlagsbuchhandlung (E. Nagele), Stuttgart.