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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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V. Deutsch-Samoa.

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Auch liegt es den Mädchen ob, Zuckerrohrblätter zur Hausbedachung und die Blätter der wilden Banane zum Einkleiden der Gerichte beim Kochen zu holen, während ja das Hausbauen und Kochen selbst Sache der Männer ist; höchstens helfen sie daselbst bei kleinen Verrichtungen. Dagegen liegt den Frauen die Reinhaltung von Haus und Hof ob, sie kehren innen und außen mit dem Besen aus Kokosblattrippen (salu), entfernen den Unrat und jäten das Vorland. Eine besondere täg­liche Beschäftigung der jungen Mädchen ist endlich noch das Wasser holen, nicht allein von Salzwasser vom Meer zur Bereitung gewisser Gerichte, sondern besonders auch von Süßwasser aus oft weit entfernten Quellen, da die Samoaner es verschmähen, Flußwasser, das sie suamalo nennen, zu trinken. Das Tragen der Lasten geschieht nun bei den Frauen im Gegensatz zu den Männern, welche stets an einem Stäbe, amo, tragen, entweder bei großen Lasten auf dem Rücken, wobei dann die Last mit zwei Baststreifen schulranzenartig festgebunden wird, so daß die Streifen oft stark in die Brüste einschneiden, oder auch bei kleineren Lasten, wie z. B. den mit Wasserflaschen gefüllten Körben auf der Seite. Die Tragart auf der Seite ist auch jungen Frauen und Mädchen eigentümlich, die oft schon recht große Kinder so herumschleppen, die dann in ihrem Adams­kostüm rittlings auf der rechten oder linken Hanke thronen. Während das Mädchen so lange Jahre oder immer, wenn sie nicht von nahen Ver­wandten adoptiert wird, bei der Mutter bleibt, folgt der Sohn schon früh dem Vater, um die männlichen Beschäftigungen zu erlernen. Und deren gibt es genug. Vor allem wird er schon früh in der Kochkunst unterwiesen, damit er als geschickter Koch die Freude seiner Eltern werde, im Anlegen von Pflanzungen, deren Produkte er als junger Mann herbeizuschaffen hat, er lernt Fischen und Jagen, denn die Fische des Meeres und die nutzbaren Bäume und Tiere des Waldes sollen ihm wohlbekannt sein, er lernt die Keule und die Lanze führen und übt sich in den gebräuchlichen Männerspielen. Je nach Stand und Abkunft lernt er auch die Künste des Haus- und Bootbaues, des Tatauierens, die An­fertigung von Holzgeräten, als Keulen, Kawaschüsseln und von Hand­werkszeug usw.

Dörfer und Häuser der Samoaner. *)

Die Dörfer oder Städte, wie man die Ansiedelungen nun nennen will, liegen, da der Samoaner ohne die See nicht leben zu können scheint, vorzugsweise an der Küste, die Häuser verstreut unter Kokospalmen, und zwar in solcher Entfernung voneinander, daß kein Besitzer von seinem Nachbar belästigt wird. Und die ganze Umsiedlung umfaßt entweder den nie fehlenden Beratungs- bezw. Festplatz oder lehnt sich an denselben an.

Z B. von Werner:Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee", S. 254. Seidel, koloniales Lesebuch. 3. Aufl. 19