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Ö. Die deutschen Schutzgebiete in der Südsee.
geren Aufenthalt in Australien, Neu-Seeland oder Europa vorgebeugt haben.
Sitten der Samoaner.
Die Samoaner sind, wie ich schon angegeben habe, sehr reinlich und halten aus gute Körperpflege, ob aus natürlichem Trieb oder ob dies nur eine Folge ihrer Lebensweise ist, wird heutzutage schwer zu entscheiden sein. Sie waschen und baden sich zwar nicht, entsprechend unserer Gewöhnung, gleich früh morgens, sondern erst etwas später und verbinden dies mit den häuslichen Verrichtungen. So reiben sie sich, bevor sie ihre Hütte zur Beschaffung des Lebensunterhaltes verlassen, den Oberkörper mit Kokosöl, das häufig mit wohlriechendem Baumharz durchmengt ist, eiu und dann gehen sie in das Wasser und auf die Korallenriffe auf den Fischfang, wobei sie ihr Morgenbad nehmen. An diesem Fang beteiligen sich Männer, Frauen und Kinder, da auch die letzteren vom zartesten Alter wassergewohnt sind, ja oft eher schwimmen als gehen können. Ich habe dies nicht glauben wollen, bis ich mich einmal durch den Augenschein überzeugte, daß ein am Strande niedergelegtes, vielleicht l>/s Jahr altes Kind, welches noch nicht gehen konnte, auf Händen und Füßen in das Wasser kroch und sich dort schwimmend ziemlich sicher bewegte. Die Sitte, den Oberkörper mit Öl einzureiben, was oft je nach Bedarf täglich mehrere Male erfolgt, bezweckt wohl, die Haut gegen die Sonnenstrahlen widerstandsfähiger zu machen. Nach dem Fischfang wird in den Wald oder nach den Anpflanzungen gegangen, um Baum- und Erdfrüchte zu holen und beides, wenn nötig, am Nachmittag oder Abend wiederholt. Bestimmte Mahlzeiten kennen auch die Samoaner wie alle diese Insulaner nicht, sondern sie essen, wenn ihnen der Sinn danach steht.
Kindererziehung auf Samoa.
Während der ersten Lebensjahre nun stehen Knaben und Mädchen ganz unter den Fittichen der Mutter. Das Mädchen erhält schon früh Unterweisung im Anfertigen von Fächern, Körbchen, Matten, Ninden- stoffen, Schmuckgegenständen und feinen Ölen, im Kawamachen, im Tanzen, im Empfang der Gäste; sie lernt lachen und, wie Kubarh hübsch sagt, „sie lernt weinen, um in jedem Augenblick beweinen zu können". Sobald sie kräftig genug sind, ziehen sie mit den Weibern in den Wald, um die Blüten und Pflanzen kennen zu lernen, die zum Schmucke dienen, und aufs Riff hinaus, um Muscheln und Schnecken, Seeigel und Seewalzen, kurz alles das Kleinzeug, figota genannt, finden und fangen zu helfen, das einen Hauptbestandteil der Nahrung ausmacht.
1) B. von Werner: „Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee", S. 252.
2) A. Kra eurer: „Die Samoa-Jnseln", Bd. 2. S. 57. Mit gütiger Erlaubnis der E. Schweizerbartschen Verlagsbuchhandlung (E. Nägele), Stuttgart.