V. Deutsch-Samoa.
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indem viele Bäume umgeweht und die stehenbleibendeu ihrer Blätter beraubt werden. Am besten widerstehen die Kokospalmen der Gewalt solcher Stürme, indem die Elastizität ihres Stammes denselben sich vor dem Winde tief hinabzubiegen erlaubt. Nur selten sieht man auch die Palmen strichweise vor dem Winde hingemäht und kann man dadurch auf die ganz außerordentlich stoßwirkende Kraft solcher Orkanwinde schließen. Der Orkan beeinträchtigt übrigens bedeutend die Produktion der von demselben befallenen Insel für einige Jahre, bis sich wieder alles erholt hat.
Gesundheitsverhältnisse auf Samoa.
Troß des wunderbar milden Klimas und der vorzüglichen gesundheitlichen Verhältnisse auf den Samoainseln, welche dem menschlichen Organismus so sehr zusagen, wie man auch an verschiedenen Europäern, die schon fast ein ganzes Menschenalter dort zugebracht haben, sehen kann, kommt hier. wenn auch nicht in so ausgedehntem Maße wie auf den Marquesasinseln, doch unter den Eingeborenen ziemlich häufig Lungenschwindsucht vor, was hier wohl ebenso wie dort eine Folge der ungenügenden. Bekleidung des Körpers während der rauheren Regenzeit ist. Von sonstigen Krankheiten lassen sich eigentlich nur Elefantiasis und eine Hautkrankheit, welche als Ringwurm bezeichnet wird, nennen. Während die letztere selten ist, sieht man Elefantiasis ziemlich häufig. Die Krankheit tritt vorzugsweise in den unteren Extremitäten und zuerst an nur einem Beine auf, so daß in dem Falle, wenn beide Beine ergriffen sind, das eine einen höheren Grad der Krankheit zeigt als das andere. Übrigens werden auch Europäer, die viele Jahre ununterbrochen aus deu Samoainseln gelebt haben, von ihr heimgesucht, und ich habe einen solchen Fall bei einem über 70 Jahre alten Engländer, welcher seit nahezu 50 Jahren als Zimmermann auf Upolu lebt, gesehen. Der rüstige Mann, welcher trotz seiner geschwollenen Beine noch immer gut zu Fuß ist, scheint äußerlich wenig darunter zu leiden; dies gilt übrigens auch vou den Samoanern. Vielfach wird behauptet, daß dem Mangel an ausreichender Fleischnahrung die Entstehung der Krankheit zuzuschreiben ist, doch wird dies von anderer Seite wieder bestritten. Tatsache ist ja, daß die Samoaner hauptsächlich von vegetabilischer Kost und in erster Linie voll jungen Kokosnüssen und der Brotfrucht leben, andererseits findet man die Elefantiasis vorzugsweise bei den Häuptlingen, die sich doch mehr Abwechselung in ihrer Ernährung gestatten, und auch Europäer, welche regelmäßige Fleischnahrung zu sich nehmen, wollen nach längeren! ununterbrochenen Aufenthalt in Apia die Anfänge dieser Krankheit an sich beobachtet und der Weiterentwicklung nur durch einen län-
i) B. von Werner: „Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee", S. 265..