286
6. Die deutschen Schutzgebiete, in der Südsee.
Todesschrei der Mannschaften mischte sich mit den Rufen des Entsetzens der am Ufer harrenden Menge. Inzwischen war der Kriegsdampfer „Adler" vom Sturm über die Bai getrieben worden und befand sich nun in der Nähe der Riffe. Auch dieses Schiff trieb mit der Breitseite gegen die Felsen und wurde dann auf die Riffe emporgeschleudert und nach einer Seite umgekehrt.
Orkane auf Samoa. i)
In den Sommermonaten, wie sie aus den Samoainseln vorkommen, d. i. von Januar namentlich bis März und Mitte April, aber besonders im März zur Zeit des Äquinoctiums hat man Orkane zu erwarten. Dieselben beginnen mit heftigem Nordostwind und gehen über Norden und Westen, endigend im Südwesten. Denselben gehen meist wochenlange Weststürme mit Regen und niedrigem Barometerstände voraus, die Atmosphäre eigentümlich beengend und schwül machend. Klärt es sich dann im Nordosten auf mit noch tiefer fallender Quecksilbersäule, so ist der Orkan nahe, und um so näher dem Beobachtungspunkt, je tiefer der Stand der ersteren. Ist der Sturm ausgebrochen, so fällt das Barometer so lange noch weiter, und zwar stoßweise mit geringer Steigerung vor jeder Depression, bis der Wind nach Westen sich gedreht hat. Es dauern diese Orkane meist ein bis drei Tage, und nach Beendigung derselben tritt meist schönes Wetter mit Passatwind ein. In der Samoagruppe sind übrigens diese verheerenden atmosphärischen Störungen nicht häufig und treten regelmäßig in langen Jahresfristen auf. Während der letzten zehn Jahre haben z. B. nur zwei Orkane die Gruppe berührt, wovon der eine weniger durch die Gewalt des Windes, als durch die sehr aufgeregte See Schaden verursachte. Unvergeßlich wird in dieser Beziehung der Januar des Jahres 1865 für die Einwohner Apias sein, wo die Orkan- sturzsee in die Bucht hineinrollte, den niedrigen Küstenstrich unter Wasser setzend. Eine deutsche Bark, welche daselbst vor Anker lag, wurde in der Nacht zum Scheitern gebracht, wobei von der ganzen Besatzung nur ein Matrose durch ein glückliches Ungefähr das Leben rettete. Der Strand bot nach Beendigung des furchtbaren Phänomens einen betrübenden Anblick der Zerstörung dar, indem er mit unglaublichen Massen von Baumstämmen, Sand, Korallen, Schiffstrümmern usw. bedeckt war. Der eben erwähnte zweite Orkan war sehr lokal und verheerte allein die Insel Jutuija. Im Süden der Samoagruppe, in den Tonga- und Viti-Jnseln, sind diese Orkane viel häufiger, beinahe jährlich im März und April wiederkehrend. Sie entstehen dort im Südosten und enden im Nordwesten. Außerdem, daß sie die Gestade der befallenen Inseln mit Schiffstrümmern bestreuen, hinterlassen sie das Land im Zustande einer Einöde,
Z Ober müller: „Samoa", S. 3.