IV. Die Karolinen, Marionen und Palauinseln.
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Ruinenstätten am Ponape und Kusaie. i)
Es handelt sich bei diesen Trümmern um die Reste einer ausgedehnten, wie das italienische Venedig in die Lagune eingebauten Stadtanlage, deren Baumaterialien mächtige Basaltsäulen in der sechseckigen Form ihres dortigen natürlichen Vorkommens bildeten, welche man aber vermutlich mit großen Mühen und Anspannung aller Energie und Geduld auf zerbrechlichem Canoe in der inneren Lagune weit vom Nordende der Insel hierher transportieren muß. Fordert bereits diese Tatsache unsere Bewunderung, so wird dieselbe noch erhöht durch die Betrachtung der imponierenden Dimensionen (417 ym Fläche) der ganzen Anlage und der zweifellos zu Befestigungszwecken bestimmt gewesenen haushohen zyklopischen Mauern, sowie durch die sorgsam kunstvolle Ausführung der einzelnen Wasserbauten. Denn außer diesen gewaltigen, im Innern der größeren natürlichen Inseln wohl sicher zu Verteidigungszwecken erbauten Manerzügen, begegnen wir einer ganzen Anzahl niedriger, wenig über Fluthöhe emporragender kastenartiger Rahmen aus Basaltblöcken, welche innen mit Basalt- und Korallentrümmern ausgefüllt künstliche Inseln bilden, auf denen zweifellos einst die Häuserbauten dieses karolinischen Venedig standen. Dafür spricht einerseits die derzeitige Auffindung solcher Hänsertrümmer durch Kubary an Ort und Stelle, andererseits ein Blick auf die noch heute auf Ponape übliche Hänserbauart, welche ganz ebenso auf einem parallelogrammati- schen Steinunterbau von Basalttrümmern den eigentlichen Holzbau aufführt. Bei der hervorragenden Bedeutung, welche einst diese ganze Anlage von Nanmatal als Hauptstadt der Insel gehabt haben muß, ist es kein Wunder, wenn wir außer diesen Resten von Wohnhäusern dort auch größeren Grabanlagen begegnen. Als solche werden wir jedenfalls das von hohen regelrecht quadratischen und terrassenförmig aufgebauten Mauerzügen umgebene Häuptlingsgrab Nan-tauatsch zu betrachten haben, unter dessen basaltischer Decke neuerdings wieder Christian sorgfältige Ausgrabungen veranstaltete. Was hierbei, sowie bei den von Kubary und Finsch bereits früher an dieser und anderen Stelle gemachten Ausgrabungen an Muscheläxten, Muschelplatten, Muschelstangen aus Konus- sowie Fischhaken und Perlmutterschalen gefunden wurde, stimmt völlig übe rein mit den modernen Arbeiten der heutigen Ka- rolinier. Diese Tatsache dürfte beweisen, daß Kubarys Vermutung der Erbauung von Nanmatal durch einen eingewanderten, begabteren und den Ponapeanern fernstehenden Stamm haltlos ist, und daß die unver- mischten Vorfahren der heutigen Karolinier die Erbauer gewesen sein
i) Dr. Max Friederich seil: „Die Karolinen. Mitteilungen der Geogr. Gesellschaft in Hamburg", Bd. 17, S. 22. Mit gütiger Erlaubnis des Verlages L. Friederichsen L Co., Hamburg.