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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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.0. Die deutschen Schutzgebiete in der Südsee.

Wasserfahrzeuge der Karolinier.

Wie überall bildet ein künstlich ausgehöhlter Baumstamm den Haupt­teil oder Schiffsrumpf, der über im Vergleich zur Länge stets unverhält­nismäßig schmal ist, denn beispielsweise beträgt die Breite eines 6 m langen Kanus nur 60 bis 70 ora. Um nun einen solchen Baumstamm überhaupt als Fahrzeug geschickt zu machen, wird ein sogenannter Aus­leger angebracht, dessen Hauptteil in einem mit dem Schiffskörper parallel laufendeil Schwimmbalken besteht, der durch mehr oder minder weit vor­ragende Querstangen mit dem Schiffskörper verbunden ist, übrigens vor eventuellem Umschlagen des Fahrzeugs sichert.

Je nach den Lokalitäten oder der Größe der Fahrzeuge ist der Aus­leger in verschiedener Weise konstruiert, fehlt aber selbst an kleinen Kanus nicht. Stämme des Brotfruchtbaumes werden am liebsten zu Kanus verarbeitet; doch findet sich nicht überall passendes Material, lind die Baper zimmern deshalb ihre großen Fahrzeuge auf Palau. Die Größe der Kanus ist natürlich sehr verschieden, und überall gibt es kleine und große Fahrzeuge; so erwähnt Lütke solche von Lukunor, die nur eine Person tragen, während nach Kubary manche Fahrzeuge der Palauer bis 20 in lang und mit vierzig Ruderern bemannt sind. Alle diese Nuderkanus dienen natürlich nur dem Lokalverkehr, und da die Kusaier z. B. selten über die Lagune und Kanäle des Barriereriffs hinauskommen, so fehlt ihren Kanus auch das sonst allgemein übliche Segel. Das letztere ist meist sehr groß, dreieckig, aus Streifen von Mattengeflecht (aus Padanusblatt) zusammengenäht, wird mit zwei winkelig gegeneinander befestigten Stangen ausgespannt und ist an einem Mast befestigt. Die Hantierung dieses Segelgeschirrs ist ziemlich umständlich, da beim Wenden Mast wie Segel an den entgegengesetzten Bug getragen und hier in Naben eingesetzt werden müssen. Eigentümlich ist es, daß die Segelkanus von Ponape früher maßlos waren; aber diese Insulaner sind keine Seefahrer und segeln nur nach Andema oder Pakin (10 resp. 18 Seemeilen), selten bis Ngatik (60 Seemeilen). Auch die Palauer unternehmen keine großen Seereisen, wofür alle diese aus nur einem Baumstamm bestehenden Kanus überhaupt ungeeignet sind. Das eigentliche Hochseekanu repräsentiert daher einen anderen Typus von Fahrzeugen, die nicht immer größer, aber ansehnlich höher sind, indem man dem ausgehöhlten Baumstamm, der nur als Kielstück dient, Seitenteile oder Bugstücke aufsetzt, die mittels Stricken durch Bohrlöcher festgebunden und kalfatert werden. Zugleich erhalten diese Fahrzeuge ein stärkeres Auslegergeschirr und mittschiffs eine Plattform, welche als Deck dient und auf welcher zuweilen eine kleine Hütte für die notdürftigste Unterkunft errichtet ist.

Z Dr. O. Flusch:Karolinen und Marionen", S. 11.