IV. Die Karolinen, Marionen und Palauinseln. 277
der Mitte gesteckten Rundholzes wie ein Rad fortrollt. Zwanzig Männer gehören bei den Niesen unter ihnen wenigstens dazu. Ich will auf dieses Steingeld, da es schon vielfach behandelt worden ist, nicht näher eingehen und nur erwähnen, daß es von Bapleuten auf den Palaus hergestellt und früher auf Kanus, jetzt aus Europäern gehörigen Segelschonern von dort nach Uap hinübergebracht wird. Außer dem Steingeld ist Muschelgeld in Gebrauch, und zwar entweder in Form von Schnüren, die anS Muschelscheibchen in Größe eines Fünfpfennigstückes bestehen, oder in Fornr von nicht weiter bearbeiteten Schalen der Perlmuschel. Für besondere Zwecke gelten auch Matten als Zahlmittel.
Die Weberei der Karolinen. *)
Am meisten bezeichnend für die Karolinier ist jedenfalls die Weberei, welche glücklicherweise 1880 auf Knsaie noch betrieben wurde, so daß ich dieses Gewerbe zuerst eingehend beschreiben konnte. Das bisher als „Webstuhl" bezeichnete, sehr sinnreich erfundene Gerät ist nämlich kein solcher, sondern dient zum Aufmachen der Kette, was allein große Ge- schicklichkeit und große Geduld erfordert, denn die verschiedenfarbigen Fäden des Musters werden zusammengeknüpft, so daß an einem Lenden- gürtel an '16 000 Knoten zu knüpfen sind. Der Webeprozeß selbst ist ein sehr primitiver und erfordert keine anderen Gerätschaften, als ein paar flache Brettchen, einige Stäbchen, um Fach zu bilden, ein flaches Stück Holz als Lade oder Schwert und schließlich das Schiffchen für den Einschlag, das ganz gewöhnlichen Weberschiffchen ähnelt. Als Material znr Weberei verwendet man die Faser einer besonderen Art Banane, die in drei Farben gefärbt wird, in den Zentralkarolinen auch Faser von Hibiscus oder beide Fasern zusammen. Die gewebten Zeugstoffe haben sehr verschiedene Länge und Breite (120 bis 220 oru lang, 17 bis 67 om breit) und werden auf Ruk, Mortlock, den Hallinseln, Ulea und Uliti verfertigt, wo Weberei noch jetzt im Schwünge zu sein scheint. Auch auf Nukuor, Pikiram, Sonsol und Bunai verstand man zu weben, doch ist auf den beiden letzteren Inseln diese Kunst bereits untergegangen, wie zu meiner Zeit (1880) Ponape nur noch ein paar Weberinnen auszuweisen hatte. Denn überall wird und wurde diese Industrie nur vom weiblichen Geschlecht betrieben, dem wahrscheinlich auch das Verdienst der Erfindung gebührt. Vap und Palau kannten keine Weberei, sondern bezogen Stoffe von den Nachbarinseln.
Da diese gewebten Zeugstreifen für die Bewohner vieler Inseln die fast einzige Bekleidung sind, so bilden sie zugleich einen der hervorragendsten Tauschartikel.
1) Or. O. Finsch: „Karolinen und Marianen", S. 25.