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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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276 0. Die deutschen Schutzgebiete iu der Südsec.

Innere einnehmen, stellen eine Steppe dar, die in den Provinzen Tomill nnd Gaguill stellenweise auf eng umschriebenem Areal geradezu den Charakter einer Wüste annimmt. Werfen wir wieder von einem der höchsten Berge einen Blick auf die Insel, so sehen wir einwärts der Mangrove das Kulturland als dunkelgrün getönten Saum sich längs der Küste ausdehnen. Nur gelegentlich verraten ebenso gefärbte größere nnd kleinere Tupfen das Vorhandensein von Kokosbeständen auch in kessel- artigen Senkungen des Innern, im übrigen aber schweift das Auge über eilt fast ununterbrochenes Grasland, aus dem sich in ganz lichtem Be­stände 4 bis 6 m hohe Schraubenbänme (Lanäunus tsetorius) erheben. Hunderte von Malen habe ich ganz ähnliche Szenerien auf meinen Wanderungen in Ostafrika gesehen, und genau wie da lernte ich auch hier Steppenbrände kennen, die zur Zeit höchster Trockenheit an einer Stelle entflammt, sich von selbst weiter verbreiten und im Laufe einer Nacht die vorher gelben Flächen der Berge und Hügel mit einem düsteren Schwarz überziehen. Fragen wir uns, warum in der Vegetation dieser schroffe Gegensatz zwischen Kulturland und dem bergigen Innern besteht, so kann die Antwort nur lauten: er besteht, weil die Wasser- und Nähr- stoffversorgnng für die Pflanzen in beiden Gebieten eine verschiedene ist. Durch den Regen empfangen wohl beide gleich viel Wasser, aber von den Bergen, deren Zersetzungskrume beständig heruntergewaschen wird, läuft es schnell ab, während es in den Tälern und dem Küstensaum mit ihrem tiefgründigeren Boden sich hält und es so den Gewächsen er­möglicht, über die ungünstige Periode der Trockenzeit hinwegzukommen.

Handel der Aapleute.

Bei der sozialen Gliederung des Volkes spielt der Kleinhandel von Mann zu Mann oder Frau zu Frau keine hervorragende Rolle; dieser ist fast ganz auf den Verkehr mit Europäern bezw. den auf der Insel ansässigen Tagalen und Marianenleuten beschränkt. Handel unter sich betreiben in größerem Umfange eigentlich nur die Landschaften unter Vermittlung der Häuptlinge. Es werden dabei die Erträgnisse des Fisch­fanges und Feldfrüchte gegeneinander ausgetauscht, oder sie werden, was häufiger ist, in aller Form mit Geld gekauft. Unter den Geldsorten ist die bekannteste und in vielen Büchern bereits erwähnte das Steingeld " genannt. Es hat die Gestalt runder, in der Mitte mit einem Loch versehener Scheiben und stuft sich in der Größe von handtellergroßen Stücken bis zu solchen ab, die wie gewaltige, im Maximum bis zu 3 m im Durchmesser betragende Mühlsteine erscheinen, die zehn und mehr Zentner schwer sind und nur dadurch von einem zum anderen Ort über­führt werden können, daß man sie mit Hilfe eines durch das Loch in

i) Pros. Or. G. Volkens:Über die Karolineninsel Jap", S. 74.