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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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6. Die deutschen Schutzgebiete in der Sndsec.

Tierleben auf den Palaninseln bei steigender Flut.

Als ich erwachte, war auf dem Strande um mich her alles lebendig. Die Menschen freilich schliefen noch; aber die lebhaften Tiere tummelten sich schon wieder im erneuten Kampf um ihre Existenz. Da kriecht offen­bar dieselbe riesig große Landkrabbe abermals an mir vorüber, die vorhin gegen das Riff zu geeilt war; ihre Jagdgründe hat das steigende Wasser schon zurückerobert, aber sie scheint zufrieden zu sein mit der Beute des Tages. Mitunter steht sie still und greift mit ihren Scheren in den Sand hinein; das ist Wohl ein kleiner Wurm, den sie zum Nachtisch zwischen ihre beständig auf- und zuklappenden Kausüße schiebt. Nun kommt sie an mir vorüber; in einem Loche des alten Baumes zwischen Steinen und trockenem Laube verschwindet sie. Flohkrebse hüpfen und tanzen irr Scharen um mich herum; auch sie treibt das steigende Wasser rvie jene Landkrabbe vor sich her. Sie scheinen zu spielen, doch bei genauerem Zusehen erkenne ich, daß auch sie in dem Mulm ihre Beute suchen. Hier liegt ein großer Wurm, auf dem sie in großer Schar tastend und fressend herumspringen. Muntere Taschenkrebse laufen nach allen Richtungen umher, und mühselig genug schleppen einige Einsiedlerkrebse ihre ge­stohlenen Häuser mit sich fort. Diese sind offenbar unglücklich daran; ihren Feinden entrinnen wie jene hurtigen Krabben können sie nicht, noch viel weniger sich verteidigen wie die große Landkrabbe mit ihren mächtigen Scheren. Aber Not macht auch unter den Tieren erfinderisch. Bei dem geringsten Geräusch ziehen sie sich in ihre Schale zurück und verschließen nun die Öffnung des Gehäuses mit einer ihrer Scheren so vollständig, daß nicht leicht ein Schnabel eines Vogels an ihren weichen Leib zu kommen vermag; packt er aber doch ihre Schere, die vielleicht etwas zu klein war, um sich ganz der Schalenöffnung anzupassen, dann läßt der Krebs den Arm rasch entschlossen fahren. Haben sie doch die beneidenswerte Eigenschaft, sich einen neuen, schöner als zuvor, wieder ansetzen zu können. Wie mögt ihr Eremiten über den hilflosen Menschen lachen! Immer näher heran kommt das Wasser und zwingt auch mich zum Rückzüge. Nun kriechen die Einsiedlerkrebse, die offenbar auch auf dem Lande leben, an dein Baume empor und in die Spalten hinein, und mit ihnen zugleich ein Heer von kleinen und größeren Strandschnecken. Das ist ein langweiliges Volk; apathisch und furchtsam tasten sie mit ihren Fühlern sorgfältig vor sich her. Auch sie verlieren sich in den Löchern zwischen den Wurzeln des Baumes. Reiche Beute an verschiedenen Arten machte ich, als ich ihnen nachgrub, und in der größten Tiefe des Baues fand ich eine ganze Familie einer solchen Strandschnecke (Uslninpus)» die in friedlichster Eintracht der zahlreichen Mitglieder einen großen Haufen ihrer kleinen, regellos zusammengehäuften Eier zu hüten schienen.

i) Semper:Die Palauinseln", S. 162.