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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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III. Die Marshallinseln.

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Blättern und Schnüren wird rasch unter Wasser ein Netzwerk hergestellt und mit Geschrei und langen Stöcken der Fisch zurückgetrieben, wo er durchzubrechen versucht. Nun wartet man ruhig, bis Ebbe eingetreten ist, und nur ein paar Zoll Wasser auf dem Risse bleiben. Gibt endlich der Häuptling das Zeichen, so stürzt sich die ganze Bevölkerung mit lautem Jubel auf die sichere Beute, von der jeder einen möglichst großen Anteil zu erhäschen sucht, denn was er nicht selbst verzehren kann, bringt er dem weißen Händler, der gerne einen guten Preis für den in der Tat sehr schmackhaften Fisch zahlt.

Die Bedächtigeren haben sich beizeiten einen Korb geflochten und bringen kleine Netze mit; andere benutzen ihre Strohhüte, die Mädchen streifen ihre Matten ab, wieder andere spießen die Tierchen sehr ge­schickt mit ganz kleinen Speeren oder betäuben sie durch einen Schlag.

In Ermangelung von Körben oder Taschen schiebt man die Köpfe der Sardinen zwischen die blendend weißen Zähne, bis oft acht bis zehn glitzernde Schuppenleiber aus dem Munde hängen.

Bei solchem Fischfänge fallen alle Standesunterschiede. Jeder ist gleichberechtigt und stimmt in den allgemeinen Jubel ein. Kabua springt ebenso aufgeregt und ausgelassen umher, wie der sonst so ernste Missionar oder der unfreie Kayur, der nachher einen Teil seiner Beute als Tribut entrichten muß. Vier bis fünfhundert Pfund Fische ist der ungefähre Ertrag eines derartigen Fanges.

Aus ähnliche Weise wird der sechs bis acht Pfund wiegende^ellovv- tail" (seines gelben Schwanzes halber so benannt) gefangen; nur daß man ihn mit Kanus aufsucht und von größeren Entfernungen dem Lande zutreibt. Eine, zwei Kanus verbindende, auf der Wasserfläche schwim­mende Schnur genügt; denn merkwürdigerweise springt wohl einer oder der andere der Fische über die Schnur zurück, unter derselben hinweg schwimmt er jedoch nicht.

Andere der buntfarbigen Bewohner der Lagune werden mittels eines aus Perlmutterschale verfertigten Angelhakens gefangen. Manche darunter sind zart und wohlschmeckend, viele aber so giftig, daß ihr Genuß heftige Krümpfe verursacht, die ohne die schnelle Anwendung energischer Gegenmittel häufig mit dem Tode enden.

Die Phosphatlager von Nauru. *)

Unser kleinstes Schutzgebiet, die M a r s h al l - I n s e ln, hat einen Flächeninhalt von nur 400 güm, der sich auf eine große Anzahl von Atollen verteilt, die mit wenigen Ausnahmen Laguneninseln sind und eine einheimische Bevölkerung von etwa 15 000 Seelen ausweisen. Zu diesem Schutzgebiet gehört die 0,26 südlicher Breite und 166,56 östlicher

i) Aus Nr. 7 der Deutschen Kolonialzeitung 1908.

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