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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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258 6. Die deutschen Schutzgebiete iu der Südsee.

ist geschmackvoll aber mühsam zu gewinnen und wird öfters vernachlässigt. Aus den Blättern des Pandanus verfertigen die Weiber alle Sorten Matten, sowohl die zierlich umrandeten, viereckigen, die zu Schürzen dieneu, als die, die zu Schisfssegeln verwendet werden, und die dickeren, woraus das Lager besteht.

Nach dem Pandanus gebührt dem Kokosbaum (Nu) der zweite Rang. Nicht nur seine Nuß, die Trank und Speise, Gefäße und Ol zum häuslichen Gebrauch gewährt, macht ihn schätzbar, sondern auch und hauptsächlich der Bast um dieselbe, woraus Schnüre und Seile verfertigt werden. Auf dem Pandanus beruht die Nahrung, auf dem Kokosbaum die Schiffahrt dieses Volkes. Die Verfertigung der Schnüre und Seile ist eine Arbeit der Männer, und man sieht selbst die ersten Häuptlinge sich damit beschäftigen. Die Fasern des Bastes werden durch Mazeration in Süßwassergruben ausgeschieden und gereinigt. Die Schnur wird zu­gleich uiit den zwei Fäden, aus welchen sie besteht, gesponnen, indem jeglichen vorläufig bereitete gleiche Bündel Fasern hinzugesetzt werden. Das Holz des alten Kokosbaums, zu Pulver gerieben und mit dem Saft der Hülle der unreifen Nuß zu einem Teige gemischt, wird, in Kokos- schalen gekocht oder auf dem Feuer geröstet, zu einer Speise bereitet. Kokosschalen sind die einzigen Gefäße, worin die Menschen Wasser mit sich zu tragen vermögen; sie werden in geflochtenen, länglichen, eigens dazu bestimmten Körben, mehrere, das Auge nach oben, aneinander ge­reiht, verwahrt. Der Kokosbaum wird überall auf bewohnten und un­bewohnten Inseln angepflanzt und vermehrt, aber bei vielen jungen Pflanzeuschulen, auf die man trifft, sieht mau ihn nur auf bewohnteil Inseln Früchte tragen und nur auf wenigen und auf den südlicheren Gruppen feine luftige Krone hoch in den Lüften wiegen. Der Kokos­baum trägt auf Nadack nur sehr kleine Nüsse.

Fischfang der Marshallinsulaner. *)

Fische und Schaltiere werden häufig roh verzehrt: namentlich gilt dies von einer ganz kleinen Sardine, die zu bestimmten Jahreszeiten in großen Schwärmen in die Lagune kommt.

Selten sieht man um diese Zeit die Palmenkroueu am Strande ohne Wächter, denn aus dieser Höhe erkennt das geübte Auge des Eingeborenen den dicht an der Oberfläche schwimmenden Fisch auf weite Entfernung. Sofort belebt sich der Strand; während einige sich dem Schwärme vor­sichtig mit Kanus nähern und ihn dem Lande zuzutreiben suchen, tragen anders frische Palmblätter herzu oder rolle,: lange, fransenartige Schnüre auf. Sind die Fische etwa auf 100 Schritte nahe gekommen, so bildet alles was Beine hat eine Kette und umschließt sie im Halbkreise. Mit

i) F. Hernsheim:Südsee-Erinnerungen", S. 83.