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0. Die deutschen Schutzgebiete iu der Südsee.
Wirtschaftliches von den Marshallinsulanern.
Ihrer Beschaffenheit nach würden sich allerdings die Laguneninseln ganz vorzüglich zur Anlegung von Pflanzungen eignen, wenn nur die verhältnismäßig zu dichte Bewohnerschaft die Durchführung solcher Unternehmungen zulassen würde. Rücksichten auf ihre Nahrung und ihren Handel machen sie abgeneigt, auch das kleinste Stück zum Anbau von Kokospalmen sich eignenden Landes zu veräußern. Auf ursprünglich unbewohnten Inseln jedoch wurde mit der Anlage von Plantagen vorgegangen. A. Capelle kaufte 1877 von den Eingeborenen die Ratak-Jnsel Liekieb, bepflanzte sie mit Kokospalmen und bewirtschaftet sie mit teilweise gutem Ertrag in Gemeinschaft mit einigen nichtdeutschen Miteigentümern. In Rälik machte man Pflanzungsversuche auf Udjelang, indem die deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee-Jnseln zu Hamburg dort den Grund und Boden von den sechs Eingeborenen in Miete genommen hat. Diese Gesellschaft, gegenwärtig die bedeutendste Südsee-Firma, ging im November 1879 aus dem Sturz des Hauses Godeffroy hervor, einem Ereignis übrigens, welches Verhältnisse herbeiführten, die mit dem Südsee- Geschäft keinen Zusammenhang hatten.
Die neue Gesellschaft, deren Wirken sich über den ganzen Westen des Stillen Ozeans erstreckt und deren Vorgehen in Pflanzungsunternehmuugen und Ausbreitung des Handels vor einigen Jahren von einem Engländer mit dem der „Ostindischen Kompagnie" verglichen wurde, schuf sich hier drei Bereiche des geschäftlichen Betriebs: Apia (Samoa), Mioko (Bismarck- archipel) und Jaluit. Der Bereich von Jaluit umfaßt außer den Marshall- Jnseln die Karolinen. Neben ihr arbeitet in diesem Teil des Meeres vorzugsweise die Firma Hernsheim L Co. (Franz und Eduard Hernsheiin aus Mainz), die mit zwei selbständigen Filialen in Matupi (Bismarck- archipel) und Jaluit domiziliert ist.
Für das Gebiet von Jaluit kommt als Ausfuhrerzeugnis im wesentlichen nur Kopra in Betracht. Die Produktion beträgt jährlich hierin 1000—1500 Tonnen. Die Ausfuhr anderer Jnselprodukte, wie Perl- schalen, Schildpatt, Korallen, Guano usw., kommt auf den Marshallinseln fast gar nicht in Frage.
Die Art der Inangriffnahme und des Handelsbetriebes auf den einzelnen Inseln ist die in der Südsee überhaupt übliche. Einer oder mehrere Agenten werden von der Firma mit Zustimmung der Häuptlinge domiziliert und entsprechend eingerichtet, sowie Wohn- und Warenräume gebaut, Tauschwaren und Boote geliefert. Diese mitunter kostspielige Einrichtung und Ausrüstung geschieht auf Kosten und nach Wunsch der Agenten mit dem Kapital der Firma und zahlen jene den Vorschuß all-
H C. Hager: „Die Marshall-Jnseln", S. 118.